Quelle: McKinsey&Company
Erschienen in Ausgabe 11-2018Trends & Innovationen

"Insurtechs sind ein belebendes Element"

Johannes-Tobias Lorenz, Senior Partner bei McKinsey & Company, über technologischen Fortschritt und Nachholbedarf bei den Versicherern 

Versicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Wie verändert die digitale Transformation die Arbeit in der Versicherungsbranche – sowohl organisatorisch als auch fachlich?

Die Digitalisierung ist ein wesentlicher, aber nicht der einzige Treiber einer grundlegenden Transformation der Branche. Diese Transformation erfordert Veränderungen auf fachlicher und organisatorischer Ebene und im Selbstverständnis der Mitarbeiter. Fachlich werden technologisches Verständnis, Kundenorientierung und der Umgang mit Daten immer wichtiger. Zugleich wird die Organisation flacher und es kommt darauf an, über Funktionsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Da Standardprozesse automatisiert werden, müssen Mitarbeiter dabei viel eigenständiger und schneller Entscheidungen treffen. Die Verantwortung nimmt also zu.

Wie gut ist das Versicherungspersonal in Sachen Digitalisierung ausgebildet bzw. für die digitale Zukunft gerüstet?

Eine digitale Transformation muss von Mitarbeitern auf allen Ebenen verstanden, akzeptiert und gelebt werden, um erfolgreich zu sein. Unsere Analysen zur Digitalisierung im Versicherungssektor zeigen deutlich, dass eine digitale Transformation nicht wegen des fehlenden Engagements der Führungsebene scheitert – sondern weil es den Führungskräften nicht gelingt, das Engagement der Linienmanager und Angestellten zu sichern.

Fehlt es den Mitarbeitern denn grundsätzlich an Motivation?

Wir sehen auf allen Ebenen motivierte, gut ausgebildete und verantwortungsbewusste Mitarbeiter. Daher sind wir zuversichtlich, dass die meisten Mitarbeiter den erforderlichen Wandel in den Arbeitsabläufen verstehen, annehmen und meistern werden. Es wird allerdings eine Verschiebung des Bedarfs „vom Sacharbeiter zum Experten“ geben. Zudem lassen sich viele einfachere Prozessschritte gut automatisieren – ein gewisser Personalabbau wird sich also nicht vermeiden lassen.

Gleichzeitig steht die Branche vor der Aufgabe, mehr Menschen mit neuen Fähigkeiten auszubilden oder einzustellen: IT-Architekten, Data Scientists, UX-Experten und viele mehr. Hier stehen die Versicherer im Wettbewerb mit Unternehmen anderer Branchen – sodass man rechtzeitig mit „Workforce Planning“ starten und die eigenen Mitarbeiter in Richtung der neuen Anforderungsprofile weiterentwickeln sollte.

Nochmal konkret gefragt: Wie sehr bedroht die digitale Transformation den einfachen Sachbearbeiter?

Die Versicherungsbranche befindet sich im Wandel und die Anzahl und Struktur der Mitarbeiter werden sich dementsprechend auch verändern. Es gibt in einigen Bereichen klare…