Blick auf den Bestand: Seit 1991 hat sich die Anzahl von Dread-Disease-Versicherungen in Deutschland mehr als versechsfacht.
Blick auf den Bestand: Seit 1991 hat sich die Anzahl von Dread-Disease-Versicherungen in Deutschland mehr als versechsfacht.
Erschienen in Ausgabe 11-2018Märkte & Vertrieb

Erste Hilfe für den Ernstfall

Eine bezahlbare Berufsunfähigkeitsversicherung bekommt nicht jeder. Es gibt eine Alternative, die zumindest bei schweren Erkrankungen Einkommensausfälle kompensiert: die Dread-Disease-Versicherung. Ein Marktüberblick.

Von Roman GoedekeVersicherungswirtschaft

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Jährlich erkranken ca. 1.000.000 Menschen in Deutschland an Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall.  Betrachtet man das Lebenszeitrisiko an Krebs zu erkranken, so liegt dieses bei Männern bei 51% und bei Frauen bei 43%. Um sich gegen die finanziellen Folgen dieser und weiterer schwerer Krankheiten abzusichern, kann man eine sogenannte Dread-Disease-Versicherung (DDV; auch Critical Illness oder Schwere Krankheiten Versicherung genannt) abschließen.

Das Produkt wurde 1983 in Südafrika entwickelt, um Kosten zu decken, die bei Diagnose einer schweren Erkrankung entstehen können. In Südafrika wurden zu dieser Zeit nicht einmal Operationskosten von der Krankenversicherung gedeckt. Dies sorgte bei vielen Betroffenen für finanzielle Notlagen. Weitere Verkaufsansätze, gerade in Ländern mit besserem Krankenversicherungssystem, sind Spezialbehandlungen im Ausland, die Deckung von unbezahltem Urlaub für den Ehepartner des Erkrankten oder auch die Finanzierung von Umbaumaßnahmen am Haus, sofern die Krankheit die versicherte Person (VP) an einen Rollstuhl bindet.

Mittlerweile ist die DDV in vielen Regionen der Welt verbreitet und wird bevorzugt im asiatischen Raum vertrieben. In Deutschland startete der Verkauf 1991. Allerdings ist der Verkaufserfolg im Vergleich zu anderen Ländern, wie zum Beispiel Großbritannien, nur mäßig. Häufig wird die DDV als eine (schlechtere) Alternative zu der deutlich weiter verbreiteten Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) gesehen, obwohl die Leistungen beider Produkte nicht deckungsgleich sind. Per Ende 2016 befanden sich laut GDV 150.575 Policen am deutschen Markt. Das sind lediglich 1% im Vergleich zu den Bestandszahlen der BUV, die zum gleichen Stichtag 15,6 Millionen Verträge aufwies.

Unterschiede bei der Kalkulation

Das erste Produkt in Deutschland umfasste drei versicherte Erkrankungen und wurde von Axa Equity and Law entwickelt. 1999 folgte die Skandia Versicherung. Sie erweiterte die versicherten Ereignisse (Krankheitsdiagnosen, Operationen und Ereignisse wie z.B. schwerer Unfall) auf über 30 (Komfort Deckung). Beide haben mittlerweile den deutschen Markt wieder verlassen. Fast zeitgleich startete die Sali mit ihrem Produkt, die zwischen 1996 und 2004 besonders im Maklermarkt für Aufmerksamkeit sorgte, allerdings mittlerweile vom aktuellen deutschen Marktführer Canada Life aufgekauft wurde. Die neuesten Anbieter einer selbstständigen DDV sind die Zurich Versicherung (seit 2013), die Prisma-Life (seit 2015, ehemals Cardea-Life) und die…