Erschienen in Ausgabe 11-2018Unternehmen & Management

Aufholjagd im Cyberspace

Drei Jahre nach dem offiziellen Startschuss ist der digitale Binnenmarkt der EU immer noch eine riesige Baustelle. Dabei bietet er viele Chancen - gerade auch für die Versicherer.

Von Eric BonseVersicherungswirtschaft

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So viel Vorschusslorbeeren gab es selten. Der digitale Binnenmarkt werde in der EU zusätzliches Wachstum von bis zu 250 Milliarden Euro ermöglichen, kündigte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Mai 2015 an. „Dies bedeutet hunderttausende neuer Jobs, insbesondere für junge Arbeitsuchende, und eine lebendige und aktive Wissensgesellschaft“, fügte Juncker hoffnungsfroh hinzu. Nur drei Jahre später klang es nicht mehr so optimistisch. Bei der Umsetzung sei „keine Zeit mehr zu verlieren“, schrieb die EU-Kommission in ihrer Halbzeitbilanz zum Digitalmarkt 2017. Man müsse sich weiter „auf die großen Themen“ konzentrieren und „massive Investitionen“ tätigen, um das große Zukunftsprojekt mit Leben zu erfüllen. Von einem Wachstumsschub war keine Rede mehr. Dabei steht außer Frage, dass die grenzüberschreitende Digitalisierung ein enormes Potenzial hat, auch für Versicherer. Nach einer Studie des Versicherungsmaklers Finanzchef24 flossen 2016 alleine in Deutschland 82 Mio. US-Dollar in den digitalen Versicherungsmarkt. Auch Großbritannien entwickelt sich zu einem „Hub“ für „Insurtech“, wie der innovative Sektor genannt wird.

Gesetzgebung hinkt hinterher

Doch mit der EU-Strategie hat dies wenig zu tun. Zur Finanzbranche schweigt sie sich nämlich weitgehend aus. „Das Hauptziel der Strategie für einen digitalen Binnenmarkt ist die Schaffung eines günstigen Investitionsklimas für digitale Netze, die Forschung und innovative Unternehmen“, hieß es zum Start. Seither hat man sich in Brüssel vor allem auf die Rahmenbedingungen konzentriert.

So hat sich die EU-Kommission dafür eingesetzt, dass die Sicherheit im E-Commerce erhöht wird. Mit der in diesem Jahr in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung kümmert sie sich auch um den Schutz persönlicher Daten. Ab 2020 werden die EU-Mitgliedstaaten zudem die Nutzung des hochwertigen 700 MHz Frequenzbands koordinieren. „Dies erlaubt den Aufbau von 5G-Netzen und ermöglicht neue mobile und grenzüberschreitende Dienste“, kündigt die Kommission an. Als Beispiele nennt sie vernetzte Fahrzeuge, intelligente Städte oder Video-Streaming.

Auch die Vorteile des digitalen Binnenmarkts für die Verbraucher stellt die EU-Behörde heraus - was angesichts der Europawahl im Mai 2019 kein Zufall sein dürfte. So wurden die Mobilfunk-Roaminggebühren endgültig abgeschafft. Bald sollen populäre Online-Abonnements für Filme, Musik und Videospiele länderübergreifend nutzbar („portable“) werden. Zudem will die EU das so genannte „Geoblocking“…