Erschienen in Ausgabe 10-2018Unternehmen & Management

Überholmanöver

Deutsche Versicherer machen Boden gut auf lateinamerikanischen Märkten

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

Die Versicherungswirtschaft Lateinamerikas hat sich in 2017 glänzend entwickelt. Das zeigt die von der Fundación Mapfre veröffentlichte Studie zu den führenden Versicherungsgruppen Lateinamerikas im abgelaufenen Geschäftsjahr. Danach ist das aggregierte Prämienvolumen in der Region in 2017 spürbar um 9,3 Prozent auf rund 159 Milliarden US-Dollar gestiegen. Davon entfallen 54 Prozent auf die Nichtlebensversicherung und 46 Prozent auf die Lebensversicherung. Der spektakuläre Zuwachs ist zum Teil auch auf Sondereffekte durch Veränderungen der Wechselkurse zustande gekommen. Das gilt vor allem für den größten Versicherungsmarkt Brasilien. Er ist in lokaler Währung um 3,2 Prozent gewachsen. Aufgrund der Aufwertung des brasilianischen Real steht in US-Dollar jedoch eine Steigerungsrate von 12,7 Prozent zu Buche. Die hohe Dynamik im Versicherungsmarkt Lateinamerikas wurde von beiden großen Teilsegmenten getragen. Die Nichtlebensversicherung erreichte in 2017 mit einer Steigerungsrate von 9,6 Prozent ein aggregiertes Prämienvolumen von 86,2 Milliarden US-Dollar. Die Lebensversicherung lag mit einem Zuwachs von knapp neun Prozent auf 72,3 Milliarden US-Dollar nur knapp darunter. 
Beim Blick auf die größten Versicherungsgruppen Lateinamerikas ist die brasilianische Bradesco in 2017 auf ihre Führungsposition zurückgekehrt. Mit einem Prämienvolumen von knapp 13 Milliarden US-Dollar erreicht sie einen Marktanteil von 8,2 Prozent. Die Bradesco ist der traditionelle Branchenprimus in der regionalen Assekuranz und hatte ihre Spitzenposition in 2016 an die ebenfalls brasilianische BrasilPrev verloren. Letztere rangiert nun mit einem Volumen von zwölf Milliarden US-Dollar wieder auf dem zweiten Rang. Im Gegensatz zur Bradesco ist die BrasilPrev ausschließlich in der Lebensversicherung aktiv und hat in 2017 satte 804 Millionen US-Dollar an Prämienvolumen verloren. Während die BrasilPrev in 2017 Marktanteile verloren hat, konnte die Mapfre als drittgrößte Versicherungsgruppe Lateinamerikas ihr Beitragsaufkommen deutlich auf 9,2 Milliarden US-Dollar steigern. Sie erhöhte ihren Marktanteil damit auf 5,8 Prozent. Entscheidend war vor allem ihre starke Performance im zweitgrößten Versicherungsmarkt Lateinamerikas Mexiko und weiteren zentralamerikanischen Märkten. Anders als in den vergangenen Jahren, hat es in 2017 in Lateinamerika keine spektakulären Übernahmen gegeben. Die Veränderungen im Ranking beruhen vor allem auf organischem Wachstum. Die Allianz ist einer der beiden deutschen  Vertreter unter den 20 führenden Versicherungsgruppen Lateinamerikas. Mit einem Prämienvolumen von 2,7 Milliarden US-Dollar und einem Marktanteil von 1,7 Prozent rangiert sie auf Platz zwölf. Die Talanx belegt mit knapp zwei Milliarden US-Dollar und einer Marktquote von 1,2 Prozent Rang achtzehn. Allianz und Talanx haben drei beziehungsweise zwei Ranglistenplätze gutgemacht.

Allianz steigt in die Top Ten auf

Im Klassement der 20 führenden Nichtlebensversicherer Lateinamerikas konnten bis auf drei Ausnahmen alle Marktteilnehmer kräftige und teils sogar zweistellige Zuwachsraten ausweisen. Besonders dynamisch entwickelten sich die japanische Tokio Marine (28,3 Prozent), die argentinische Provincia (25,1 Prozent), die französische CNP (24,8 Prozent) und die deutsche Talanx (21,1 Prozent). Abgesehen von der Provincia war für sie alle Brasilien der jeweilige Hauptmarkt. Seine gute Entwicklung lieferte zusammen mit der Aufwertung der lokalen Währung kräftige Wachstumsimpulse. Der unangefochtene Branchenprimus unter den Nichtlebensversicherern bleibt jedoch die spanische Mapfre mit einem Prämienvolumen von 6,7 Milliarden US-Dollar. Sie konnte ihren Marktanteil in 2017 mit 7,8 Prozent sogar noch weiter ausbauen. Auf dem zweiten Rang folgt mit großem Abstand die brasilianische Porto Seguro mit einem Beitragsaufkommen von 3,6 Milliarden US-Dollar und einem Marktanteil von 4,2 Prozent. Der kolumbianischen Suramericana gehört knapp dahinter der dritte Rang. Die Allianz hat hier in 2017 zwei Plätze gut gemacht und ist mit dem neunten Rang in die Top Ten vorgerückt. Sie erreichte mit einem Prämienvolumen von 2,1 Milliarden US-Dollar einen Marktanteil von 2,4 Prozent. Die Talanx hat sich mit einem Beitragszuwachs auf 1,9 Milliarden US-Dollar um drei Ränge auf den zwölften Platz verbessert. Neben Brasilien waren bei ihr die gute Entwicklung in Mexiko und die Übernahme der Generali Colombia in Kolumbien von Bedeutung. In der lateinamerikanischen Lebensversicherung konnte die brasilianische BrasilPrev ihre Führungsposition trotz eines drastischen Prämienrückgangs auf rund zwölf Milliarden US-Dollar knapp behaupten. Ihr Marktanteil ist in 2017 um fast drei Prozentpunkte auf 16,6 Prozent gesunken. Auf den weiteren Podestplätzen folgen die ebenfalls brasilianischen Bradesco und Itaú mit Marktanteilen von 15 Prozent bzw. 9,7 Prozent. Beide konnten im Gegensatz zur BrasilPrev ihre Marktposition damit deutlich ausbauen. Einziger deutscher Vertreter unter den 20 größten Lebensversicherern Lateinamerikas ist die Allianz auf Rang 20 mit einem Prämienvolumen von 629 Millionen US-Dollar und einem Marktanteil von 0,9 Prozent.