Erschienen in Ausgabe 10-2018Unternehmen & Management

Gipfelstürmer

Für eine Brexit-Einigung gibt es mehr Hoffnung, aber weniger Zeit

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft
Beim informellen EU-Gipfel in Salzburg war der Brexit wieder Thema. Derzeit gelten mehr als 80 Prozent als ausverhandelt. Einst strittige Punkte wie die britischen finanziellen Verpflichtungen gegenüber der EU oder die Rechte der Millionen EU-Bürger auf der Insel gelten als geklärt. Es hakt vor allem noch an der Frage, wie man eine harte Grenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland verhindert. Premierministerin Theresa May wird wohl bis zum Ende des Tory-Parteitags am 3. Oktober hierbei Kompromisse eingehen müssen. Sollte sie den Parteitag überleben und sollten mit der EU im Oktober und im November die beiden genannten Einigungen erzielt werden können, beginnt die heikelste Phase im Brexit-Prozess. Denn die Vereinbarungen müssen vom Europäischen Parlament und vor allem vom britischen Parlament ratifiziert werden: Die Entscheidung in London gilt als die größte Hürde.

Bain Capital kauft Internet-Versicherer Esure

Als “serial entrepreneur” bezeichnet man jemanden, der sich im Lauf seines Lebens nicht auf die Gründung eines einzigen Unternehmens beschränkt, sondern der es immer wieder fertigbringt, eine neue Organisation auf die Beine zu stellen und dann meist ein oder zwei Jahrzehnte später erfolgreich zu veräußern. Der 1946 geborene Sir Peter Wood hatte 1985 für die Royal Bank of Scotland deren via Telefonmarketing funktionierenden nicht-Lebens-Versicherer Direct Line gegründet, 1996 die britische Privilege und 2000 in Kooperation mit der Bausparkasse Halifax noch den Versicherer Esure, an dem er nach wie vor mit 30,69 Prozent beteiligt ist. Auch die beiden US-Versicherer Response (1995) und Homesite (1997) gehen auf seine Initiative zurück.
Der Private-Equity-Verwalter Bain Capital wird die Esure Group Ltd. nun für 1,21 Mrd. Pfund übernehmen, vermutlich um die Gesellschaft in vielleicht fünf Jahren gewinnbringend weiterzuverkaufen. Wood stehen zwar aus dem Kaufpreis 360 Mio. Pfund zu, jedoch reinvestiert er hiervorn 50 Mio. Pfund in die neue nicht gelistete Holding. Hierdurch wird sichergestellt, dass Wood dem Projekt für die nächsten Jahre als Chairman verbunden bleiben wird. Die 2017er verrechnete Bruttoprämie hatte 820,2 Mio. Pfund erreicht (25,2% mehr als 2016), der Jahresgewinn vor Steuern aus noch laufenden Geschäften 98,6 Mio. Pfund (2016: 72,7 Mio.), dies bei einer dem technischen break-even nahen combined ratio von 96,7 Prozent (2016: 98,8%). Der Jahresgewinn erklärt sich fast zur Gänze nicht aus technischen und Anlagegewinnen, sondern aus Verwaltungsgebühren, welche Kunden z.B. für Adressänderungen abgenötigt werden. Die Solvabilitätsquote lag bei nicht allzu beeindruckenden 155 Prozent. Esure beschäftigt 1850 Mitarbeiter.

Dai-ichi übernimmt Suncorp Life, Marsh schluckt JLT

Die japanische Dai-Ichi Life Holdings, Inc. übernimmt die Lebenstochter der in Brisbane ansässigen Suncorp Group Limite. Suncorp und wird dadurch zum reinen Sachversicherer. Ende 2017 wies die Gesellschaft 4,992 Mrd. AUD an Bilanzsumme auf, bei einer Jahresprämie von 804 Mio. AUD. Der Rückzug von Suncorp aus dem Lebens- und insbesondere aus dem Pensionsgeschäft könnte damit zusammenhängen, dass die Margen und die Beratungsqualität von australischen Pensionsfondsverwaltern immer mehr in die Kritik geraten. Eine parlamentarisch eingesetzte Royal Commission war zu dem Schluss gekommen, Kunden würden systematisch übervorteilt und gar betrogen. Die jährlichen 30 Mrd. AUD Margen der Branche scheinen gefährdet, in manchen Fällen dürfte es auch zur Strafverfolgung von in einzelnen Unternehmen (insbesondere National Australia Bank) Verantwortlichen wegen systematischem Kundenbetrug kommen. Es geht um das australischen Arbeitnehmern aufoktroyierte fondsgebundene Zwangssparen fürs Alter. Der derzeitige 9,5 Prozent der Einkommen betragende Arbeitgeberanteil soll bis 2025 auf 12 Prozent steigen.
Die an der NYSE gelistete Marsh & McLennan Companies, Inc. macht hingegen einen viel größeren Fang und macht Hauptkonkurrent Aon Druck mit einer Fusion nachzuziehen. Marsh übernimmt die an der London Stock Excange LSE gelistete Jardine Lloyd Thompson Group plc zu einer Bewertung von 4,2 Mrd. Pfund, welche 38 Prozent höher liegt als der Schnitt des JLT Börsenwerts über die letzten drei Monate. Marsh rechtfertigt den stolzen Akquisitionspreis mit den erwarteten jährlichen Kosteneinsparungen von 250 Mio. US-Dollar, denen allerdings einmalige Integrationskosten von 350 Mio. US-Dollar vorauszugehen haben.
JLT ging 1972 aus den Versicherungsmakler-Tätigkeiten des damals noch in Hong Kong ansässigen Handelshauses (Hong) Jardine Matheson hervor, ist sei 1991 in London börsengelistet und hatte 1997 mit dem Konkurrenten Lloyd Thompson fusioniert. Zu den vielen weiteren Akquisitionen gehörte zuletzt im September 2017 der Erwerb der Rückverischerungsmakler-Aktivitäten der aktuariellen Consultants Tower Watson. JLT beschäftigt 10.575 Personen und verbuchte 2017 Einnahmen (revenue) von 1,386 Mrd.  Pfund (die Vergleichszahl bei Marsh Mac: 14,0 Mrd. US-Dollar), woraus man einen Gewinn vor Steuern von 181,6 Mio. Dollar erwirtschaftete. Die Operationen gliedern sich in die Bereiche Rückversicherung (einschließlich captives und Verbriefungen), Specialty und Employee Benefits. 40,2 Prozent der Aktien liegen derzeit noch bei Jardine Matheson Holdings Ltd, die sonstigen größeren Aktienposition liegen bei diversen Investorenfonds.

300. Stock

Words of the Week

“Property” in an insurance sense can refer to buildings, machinery or stock, the last named having a wide range of meanings (Vorräte being one of them). In the case of a shop, stock consists of the products that the retailer is holding for sale. When available they are said to be in stock (auf Lager). If they are sold out, they are out of stock (nicht vorrätig).
Sometimes the stock does not belong to the retailer. He may, for example, be asked by a supplier to sell a product for which he suspects there is little demand. In this case instead of buying the goods and then trying to sell them at a profit, he may agree to stock them on a “sale or return” basis, unsold goods being returned to the supplier. Such stock is said to be “held on trust”. A similar situation arises if a retailer simply provides space for goods to be sold, for which he receives commission on sale. A shop selling pictures directly from an artist may do business on this basis. The stock is said to be “held on commission”.
A typical summary of stock in an English commercial property wording reflects the various ways in which this word is used: “Stock and materials in trade belonging to you or held by you in trust or on commission for which you are responsible.” In an industrial setting “stock” has an extremely wide range of reference, being used at the input, process and output stages. At the input stage, raw materials to be turned into finished products are called stock, as are components, such as machine parts bought from an external supplier to be built into the final product. In the process itself stock refers to partly finished goods, which in an English policy may be called “work in progress”, as well as to packaging that is specially designed to protect finished products during transportation. Finally, at the output stage finished goods before they leave the plant are also called stock. 
In many industries the amount and thus the value of stock – meaning “input stock” in this context – varies greatly from month to month, but the sum insured has to cover the highest foreseeable loss. To avoid overpayment of premium by the policyholder, only a percentage of the premium due is paid at policy inception, and monthly declarations of stock are recorded. The premium is then adjusted at the termination of the policy to reflect the actual amount of stock covered throughout the year.