Rentenexpertin Gundula Roßbach: "Nur wenn es ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Rentenniveau und Beitragssatz gibt, wird das System auf lange Sicht auch bei den jüngeren Menschen Akzeptanz finden."
Rentenexpertin Gundula Roßbach: "Nur wenn es ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Rentenniveau und Beitragssatz gibt, wird das System auf lange Sicht auch bei den jüngeren Menschen Akzeptanz finden."Quelle: DRB
Erschienen in Ausgabe 1-2018Politik & Regulierung

"Eine auskömmliche Versorgung muss auf lange Sicht das Ziel sein"

Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, über Altersicherung unter schwierigen Rahmenbedingungen

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Die Bürger sorgen sich um die Sicherheit der gesetzlichen Rente. Die Diskussionen der Politiker um die Flexirente verunsichern zusätzlich. Gilt überhaupt noch der Spruch von Norbert Blüm „Die Rente ist sicher“?

Gundula Roßbach: Unser Rentensystem ist gut aufgestellt. Die Finanzen entwickeln sich dank der robusten Wirtschaftslage besser als erwartet. 97 Prozent aller Rentnerinnen und Rentner können von ihrem eigenen Einkommen leben und sind nicht auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen. Trotz eines deutlich höheren Anteils älterer Menschen ist der Beitragssatz heute niedriger als vor drei Jahrzehnten. Zum Jahreswechsel ist er sogar noch gesenkt worden. Gleichzeitig sind die Rentenerhöhungen in den letzten zehn Jahren höher ausgefallen als die Preissteigerungen. Die Rentner haben also auch real mehr in der Tasche. Und auch in den nächsten Jahren, bis 2030, werden die vom Gesetzgeber festgelegte Untergrenze beim Rentenniveau und die Obergrenze beim Beitragssatz eingehalten. Das ist schon eine sehr positive Entwicklung und macht die Stärke der gesetzlichen Rentenversicherung deutlich. Wir müssen die Rentenversicherung aber immer wieder an die sich verändernden gesellschaftlichen Veränderungen anpassen, so dass sie auch künftigen Herausforderungen standhalten kann.

Hand aufs Herz. Würden Sie sich manchmal mehr Zuverlässigkeit durch die Politik wünschen?

Die Politik hat ja schon sehr frühzeitig damit begonnen, grundlegende Reformen in der Alterssicherung durchzuführen. Sie hat damit wirklich Weitsicht bewiesen. Die Rentenversicherung ist heute gut auf die künftigen Herausforderungen vorbereitet. Dennoch gibt es in der Alterssicherung weiterhin Handlungsbedarf. Um den langfristigen Anforderungen der demografischen Entwicklung nach 2030 gerecht zu werden, wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, dass sich die Politik auch mit den Alterssicherungssystemen insgesamt befasst. Dazu gehören neben der gesetzlichen Rente auch die beiden anderen Pfeiler, die private und die betriebliche Absicherung. Insbesondere wäre hier ein regelmäßiges Monitoring nötig, in welchem Umfang die Bürger für das Alter abgesichert sind und sein werden. Auf einer solchen Grundlage wäre über die langfristigen Reformschritte in der Alterssicherung zu entscheiden. Ich hoffe, dass die Politik auch in dieser Legislaturperiode die Weiterentwicklung der Alterssicherung weiter im Blick behalten wird. Die Rentenversicherung und ihre Selbstverwaltung bieten in diesem Prozess ihre…