Risiko Altersarmut: Experten kritisieren das aktuelle Rentensystem und warnen vor massiven Problemen im Ruhestand. Besonders stark betroffen seien Geringverdiener, Langzeitarbeitslose und alleinerziehende Frauen. 
Risiko Altersarmut: Experten kritisieren das aktuelle Rentensystem und warnen vor massiven Problemen im Ruhestand. Besonders stark betroffen seien Geringverdiener, Langzeitarbeitslose und alleinerziehende Frauen. Quelle: Fotolia
Erschienen in Ausgabe 1-2018Politik & Regulierung

Die Rente bleibt unsicher

Politische Entscheidungen zur Altersvorsorge beschränken sich häufig auf Kleinkorrekturen. Der Blick für langfrisitig gedachte Maßnahmenpakete fehlt. Kommt bald die große Reform?

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Es war am 10. Oktober 1997. In einer leidenschaftlich geführten Debatte im Deutschen Bundestag sprach der damalige Sozialminister Norbert Blüm den berühmten politischen Satz aus, der bis heute nachwirkt: „Die Rente ist sicher.“ An diesem denkwürdigen Tag entschied die Koalition aus CDU/CSU und FDP über eine weitreichende Rentenreform. Die gestiegene Lebenserwartung und eine zu erwartende geringere Geburtenrate waren Anlass zum Handeln. Ein so genannter demographischer Faktor sowie die Absenkung des Rentenniveaus von 70 auf 64 Prozent sollten die Renten weniger stark ansteigen lassen. Inzwischen wird über ganz andere Größenordnungen diskutiert.

Nahezu jede Bundesregierung versucht sich seitdem an Korrekturen im bestehenden Rentensystem. In den letzten Jahren hat sich die Sozialpolitik vor allen Dingen auf die Gestaltung des demographischen Wandels konzentriert. Die politischen Kernziele waren in erster Linie, eine längere Lebensarbeitszeit und mehr Flexibilität in der Beschäftigungsplanung zu ermöglichen. Zuletzt wurde ein neues Rentenmodell implantiert, das stärker auf private und betriebliche Vorsorge setzt, um die weniger werdenden jüngeren Steuerzahler zu entlasten.

Kernpunkte des ab 1. Juli 2014 geltenden Rentenpakets sind im Wesentlichen die Rente ab 63 für Versicherte nach 45 Jahren Beitragszahlung und die sogenannte Mütterrente. Bei dieser umstrittenen Maßnahme werden für alle vor dem 19.2.1990 geborenen Kinder statt einem künftig zwei Jahre Kindererziehungszeiten angerechnet.

Fehlleitung in der Rentenpolitik

In der letzten Zeit werden Wissenschaftler nicht müde, darauf aufmerksam zu machen, dass auch das zurzeit aktuelle Rentensystem viele Menschen vor gewaltige Probleme stellt. Ihre Befürchtung: Die Zahl derer, denen im Alter Existenzsorgen drohen, wird höher sein als bislang geschätzt. Geringverdiener und Langzeitarbeitslose gehören ebenso dazu wie alleinerziehende Frauen. Experten sind sogar der Meinung, dass die Altersarmut in Deutschland ein neues soziales Problem sein wird, auf das die Politik reagieren muss.

Es gibt also nach wie vor viele Fragen rund um die Stabilität des deutschen Rentensystems, mehr oder weniger kluge Antworten, die eigentlich einen hohen Handlungsdruck erkennen lassen müssten. Bei Fortsetzung der Großen Koalition oder der Duldung einer Minderheitsregierung wird es aber wohl eher ein „weiter so wie bisher“ oder gar zusätzliche Wohltaten geben. Die SPD will ein weiteres Absinken des Rentenniveaus nicht hinnehmen und fordert…