Dem Glauben missfällt der Gläubiger: "Diejenigen, die Zins verschlingen, sollen nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfasst und geschlagen ist", heißt es im Koran.
Dem Glauben missfällt der Gläubiger: "Diejenigen, die Zins verschlingen, sollen nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfasst und geschlagen ist", heißt es im Koran.Quelle: Fotolia
Erschienen in Ausgabe 1-2018Märkte & Vertrieb

Rendite mit Allahs Segen

Muslime machen ein Viertel der globalen Bevölkerung aus. Entsprechend rasant steigt die Nachfrage nach schariakonformen Versicherungen. Vor allem deutsche Anbieter haben mit ihrem mutualistischen Ansatz gute Karten auf dem Takaful-Markt.

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Der Islam wächst stärker als alle anderen großen Religionen. Das liegt vor allem daran, dass muslimische Frauen im Durchschnitt 3,1 Kinder, wohingegen Frauen anderer Religionen durchschnittlich nur 2,3 Kinder bekommen. Christen stellen derzeit mit 2,3 Milliarden Menschen etwa 31,2 Prozent der Weltbevölkerung, Muslime haben einen Anteil von 24,1 Prozent (1,8 Milliarden). Von wachsender Bedeutung ist daher die Tabuisierung von gewissen Finanzgeschäften durch den Islam, insbesondere auch der Versicherung im westlichen Stil. Weltweit operierende Assekuranz-Unternehmen kommen daher nicht umher, sich mit islamkonformen Risikotransfermechanismen zu beschäftigen – den sogenananten "Takaful"-Produkten (übersetzt: "sich gegenseitig unterstützen). Allen drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) war während Jahrhunderten das Verbot der Zinsnahme gemein. Es ging auf aristotelische Vorstellungen zurück: Dem Menschen ist es verwehrt die Notlage anderer zu seinem Vorteil zu nutzen. Der Islam übernahm das christliche Zinsverbot, welches im Koran, Sure 2, Vers 275 verankert ist. Das Zinsnehmen (Riba) gehört zu den sechs Todsünden. Laut liberalen Islamvertreter liegt Riba jedoch nur dann vor, wenn wirtschaftlich Schwache übervorteilt würden. Kredite zur Finanzierung laufender Unternehmen zu nicht wucherischen Zinssätzen unterfallen der Riba nicht.

Standards bei Ausführung und Regulierung fehlen

Der Geldverleih und die Risikotragung gegen Entgelt sind indes verwandte Bereiche des Finanzwesens. Überlappungen bestehen an verschiedenen Stellen. So kann eine Risikotragung auch durch ein hochverzinsliches Darlehen bewerkstelligt werden, wenn bei Schadeneintritt der Kreditnehmer von seiner Rückzahlungspflicht freigestellt ist. Pendant des Zinsverbots ist im Islam das Verbot der Risikoübernahme durch einen Versicherungsunternehmer, die gemäß herrschender Interpretation gleich gegen zwei Scharia-Verbote verstößt: Es wird Wucher (Riba) betrieben und das noch auf ein künftig ungewisses Ereignis beziehendes Geschäft (gharar). Darunter fallen auch Leerverkäufe und Futures, die dem ebenfalls verbotenen Glücksspiel (maysir, hierunter fallen Lotto, Toto, Roulette etc.) ähneln. Derartige Geschäfte sieht die islamische Rechtswissenschaft (fiqh) – im Grunde das kanonische Recht des Islam – als verboten an. Verboten ist im Islam jedoch nicht der Risikotransfer schlechthin, sondern lediglich die allzu kapitalistische Rolle des Versicherers. Auf mutualistischer Basis…