Erschienen in Ausgabe 1-2018Trends & Innovationen

Intelligenzbestie Auto

Von AZT-Geschäftsführer Christoph Lauterwasser 

Von Dr. Christoph LauterwasserVersicherungswirtschaft

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Die Autos, die im Allianz Zentrum für Technik getestet werden, sind „eigenwillig“ geworden: Radarsensoren und Kameras müssen vor dem Crash deaktiviert werden, um einen Eingriff der Systeme während des Versuchs zu vermeiden. Ein potenzieller Notruf zur Rettungsleitstelle muss rechtzeitig als Test angekündigt werden.

Fahrerassistenz, Automatisierung, Vernetzung und Elektromobilität halten Einzug im Fahrzeugbestand. Bei der Reparatur in der Werkstatt setzt sich der Trend zur Komplexität fort. Wir haben in den letzten Jahren gelernt, mit neuen Werkstoffen und Fügeverfahren umzugehen. Hinzugekommen sind aktuelle Themen wie die Kalibrierung von Sensoren sowie das Auslesen und die richtige Interpretation von Fahrzeugdiagnosedaten.

Wir begleiten damit einen tiefgreifenden technologischen Wandel, der unser automobiles Mobilitätssystem langfristig grundlegend verändern wird. Autos werden intelligenter. Sie helfen, in vielfältigen Situationen Unfälle zu vermeiden und werden sukzessive Fahraufgaben ohne menschliche Eingriffe übernehmen können – zunächst in definierten Situationen, primär auf der Autobahn und beim Parken. Gleichzeitig werden sie ein Teil des Internet of Things und können so unter anderem immer besser von verschiedenen Nutzern geteilt werden.

Mit Blick auf die Autoversicherung stellen sich drei Kernfragen: wie werden sich die  Schäden entwickeln? Wer haftet bei einem Unfall? Und welche Rolle spielen Vernetzung und Fahrzeugdaten?

Menschliches Versagen bleibt dominant

Für manchen überraschend mögen die Ergebnisse einer aktuelle Studie des GDV klingen: danach werden Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen den Schadenaufwand bis 2035 nur moderat um 7 bis 15 Prozent reduzieren. Hier wurde berücksichtigt, dass die Einsatzbereiche der Systeme und ihre Wirksamkeit im Feld noch beschränkt sind und sich eine breite Marktdurchdringung über viele Jahre hinziehen wird. Und natürlich führen die oben schon erwähnten Sensoren zudem zu steigenden Reparaturkosten im Schadenfall.

Angesichts einer Zahl von 8,6 Millionen Schadenfällen, die 2016 deutschlandweit von den Kraftfahrtversicherern reguliert wurden, sind wir gefordert, weiter für die Verbraucher Wahlfreiheit und ein effizientes Schadenmanagement durch die handelnden Akteure und Dienstleister zu gewährleisten.

Diese Überlegung führt zur zweiten Frage, der Haftung. Verkehrsopfer sind in Deutschland über drei Säulen finanziell abgesichert: die Gefährdungshaftung des Halters, die Verschuldenshaftung des…