Wachstumsmotor für die deutsche Industrie: Nach Angaben von McKinsey & Company könnte das Bruttoinlandsprodukt durch den Einsatz von klugen Robotern und selbstlernenden Computern bis 2030 um bis zu vier Prozent oder umgerechnet 160 Mrd. Euro höher liegen als ohne KI.
Wachstumsmotor für die deutsche Industrie: Nach Angaben von McKinsey & Company könnte das Bruttoinlandsprodukt durch den Einsatz von klugen Robotern und selbstlernenden Computern bis 2030 um bis zu vier Prozent oder umgerechnet 160 Mrd. Euro höher liegen als ohne KI.Quelle: Fotolia
Erschienen in Ausgabe 1-2018Schlaglicht

Die Kunst der Intelligenz

Denkende Computer erobern das Herz der Versicherer

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

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Es war ein Meilenstein in der Geschichte der Computerentwicklung und eine Sensation zugleich. Über 20 Jahre sind mittlerweile vergangen, seitdem der IBM-Rechner Deep Blue den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow in einer Partie unter regulären Zeitkontrollen bezwang. Noch nie zuvor war das einem Computer gelungen. Nach zurückhaltender Eröffnung hatte der Rechner seinen Springer ins Abseits manövriert, um einen Bauern zu erobern. Ein scheinbar riskanter Zug, durch den Kasparow gefährlich wirkende Drohungen gegen den König des Gegners platzierte. Der Computer, mit einer Kalkulationsdynamik von Millionen von Stellungen pro Sekunde, interpretierte das Geschehen anders. Er hatte berechnet, dass kein wirkliches Risiko für ihn bestand. Deep Blue parierte alle Drohungen Kasparows und gewann die Partie. Maschinelle Rechenkraft und künstliche Intelligenz hatten über menschliche Intuition triumphiert.

Das sorgte nicht nur für Schlagzeilen, sondern teilweise auch für hysterische Reaktionen. Skeptiker sahen die Menschheit in Gefahr und fürchteten, Menschlichkeit würde bald in anderen Bereichen durch kühle Berechnungen von Maschinen ersetzt werden. Schachspieler glaubten, der Computer würde das Schachspielen überflüssig machen.  

So weit ist es nicht gekommen. Wie bahnbrechend die Entwicklungen um die künstliche Intelligenz tatsächlich sind, lässt sich aber nach wie vor nur erahnen. Nicht, weil die Welt aufgehört hat sich zu drehen, sondern eher weil sie dies, zumindest aus entwicklungstechnologischer Perspektive, immer schneller tut. „Künstliche Intelligenz hat ein sehr weites Potenzial im direkten und indirekten Einsatz in der Versicherungsindustrie“, erklärt Rainer Baumann. „Direkt kann sie zum Beispiel zur besseren Risikoeinschätzung durch Mustererkennung genutzt werden oder im Kundenberatungsprozess analog, wie zum Beispiel Amazon, wo Algorithmen, die auf KI setzen, dem Klienten heute schon Kaufvorschläge unterbreiten.“ Beim indirekten Einsatz sind die Chancen nach Angaben des Head Group Digital und Information Service der Swiss Re sogar größer. Zum Beispiel könnten durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz bei autonomen Drohnen Risiken gezielter kontrolliert und reduziert werden. Bestimmte, teils hochgefährliche, Arbeiten an Atomreaktoren, Chemieanlagen oder Hochspannungsleitungen würden von den fliegenden Helfern viel schneller ohne die Gefährdung von Menschenleben durchgeführt. Dies wiederum unterstützt die Versicherer bei der Absicherung von…