Erschienen in Ausgabe 3-2018Unternehmen & Management

Durchreguliert

EU-Kommission strebt nach voller Transparenz über Finanzmärkte und ihre Produkte  

Von Eric BonseVersicherungswirtschaft

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Ein Monster aus 16.000 Paragraphen, das Investoren verschreckt und Versicherer verunsichert: So beschreibt die britische Presse das jüngste Regulierungswerk aus Brüssel. Die im Januar in Kraft getretene Marktrichtlinie Mifid II sei ein neuer Beweis, dass die Europäische Union nicht verstehe, wie Märkte funktionieren, bemängelt die Financial Times. Vor allem bei den Commodity-Sicherungsgeschäften gibt es am Finanzplatz London massive Probleme, wie selbst die EU-Kommission einräumt. Viele Geschäfte wurden seit dem Start der neuen Richtlinie in die USA verlagert, da dort weniger strikte Auflagen gelten. Von einem Fehlstart will in Brüssel trotzdem niemand sprechen. Denn größere Probleme mit Mifid hat es bisher eigentlich nur in Großbritannien gegeben. In Deutschland und Frankreich hingegen verlief die Einführung weitgehend reibungslos. Zuletzt hatte noch die Finanzmarkt-Aufsicht Alarm geschlagen. Die höheren Anforderungen an den Anlegerschutz stellten freie Vermittler vor wachsende Herausforderungen, warnte die Bafin. Doch die Versicherer haben sich rechtzeitig auf die neuen Vorgaben aus Brüssel eingestellt. Sie versprechen eine bessere Beratung, die sogar die Absatzchancen erhöhen könnte. Dennoch ist es noch zu früh für eine positive Bilanz. Eine Bewertung sei erst in einigen Monaten möglich, heißt es in der Kommission. Einige wichtige Fragen seien noch nicht geklärt. So kritisiert der deutsche EU-Abgeordnete Markus Ferber, dass die Europäische Marktaufsichtsbehörde ESMA noch nicht in der Lage gewesen sei, die nötigen Vorkehrungen zur Eindämmung unerwünschter „Dark Trades“ zu treffen. Zudem ist noch nicht sicher, dass das Kernziel von Mifid II erreicht wird: dass kein Produkt und kein Markt unreguliert bleibt. Dazu hatten sich die G-20 nach der  Finanzkrise verpflichtet – doch hat die EU dieses Ziel zehn Jahre später immer noch nicht erreicht. Diese Lücke müsse nun endlich geschlossen werden, fordert Ferber. Wird die Regulierungs-Dichte also weiter erhöht, folgt auf Mifid II schon bald ein Mifid III? Bisher gibt es dafür keine Anzeichen. Mit kleineren Nachbesserungen müsste sich das Problem lösen lassen, gibt sich Ferber optimistisch. Auch die EU-Kommission lässt keinen Appetit auf noch mehr Vorschriften erkennen. Behördenchef Jean-Claude Juncker setzt auf „Better Regulation“, was zu gut deutsch weniger Bürokratie und Beschränkung aufs Wesentliche bedeutet. Auch der Architekt von Mifid II, der frühere Binnenmarktkommissar Michel Barnier, hat es nicht auf…