Immo Querner, Finanzvorstand Talanx: Der Manager übt harte Kritik am unvorteilhaften Zeitpunkt der Solvency-II-Einführung.
Immo Querner, Finanzvorstand Talanx: Der Manager übt harte Kritik am unvorteilhaften Zeitpunkt der Solvency-II-Einführung.Quelle: © Talanx
Erschienen in Ausgabe 3-2018Unternehmen & Management

Angst vor dem Update

Ergo, Talanx und die Debeka gehen trotz einiger Lichtblicke mit Solvency II hart ins Gericht. Eine Bestandsaufnahme.

Von Tobias DanielVersicherungswirtschaft

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Das europäische Regelwerk Solvency II gehört zu den größten regulatorischen Projekten der Versicherungsbranche. Der große Blackout ist nach einigen Befürchtungen ausgeblieben. Nach außen, berichten die Vorstände der Unternehmen, sei die Einführung zwar geräuschlos verlaufen, innen sehe es jedoch anders aus. Nach Angaben des Ergo-Finanzchefs Christoph Jurecka sei das Thema Solvency II noch heute ein Moving Target. „Wir bekommen immer noch Änderungen seitens der Aufsichtsbehörden rein“, erklärt der Manager. Abgeschlossen sei die Einführung noch nicht, was für den Düsseldorfer Konzern eine nicht unerhebliche Belastung darstelle. Das Mammutprojekt befindet sich in einem Lernprozess,  Reibungsverluste sind nicht zu vermeiden. Experten zufolge werde das Anforderungsniveau durch die Behörden sowie der operative Druck auf die Unternehmen künftig sogar steigen. Für Talanx-Finanzvorstand Immo Querner ist Solvency II eine enorme Herausforderung, die noch lange nicht vorbei ist. Kritik übt der Manager an dem relativ unvorteilhaften Zeitpunkt der Einführung. „Mit Bundesanleihen zu sieben Prozent wäre wahrscheinlich das Interesse an Solvency II als Aufreger nicht so hoch gewesen“, glaubt Querner. Trotzdem hält der Finanzexperte das Solvenzregime im Kern für einen vernünftigen Schritt.

Verschärfung der Regeln unverantwortlich

Dass Solvency II aber nicht nur Freunde gefunden hat, zeigt die aktuelle Debatte um die Zukunft der Lebensversicherer: So dürfte das aktuelle Regelwerk manchen Branchenakteuren den Run-off von Beständen geradezu aufzwingen, kritisiert Roland Weber. Nach Meinung des Debeka-Vorstands wäre es geradezu unverantwortlich, die Anforderungen zu verschärfen. Trotzdem richtet sich der Blick der Branche schon jetzt auf das angekündigte Update von Solvency II im Jahre 2020, bei dem es unter anderem um nicht börsennotierte Aktieninvestments sowie um nicht geratete Zinsträger gehen wird. Querner erwartet vor allem bei komplizierten Produkten, dass ab und zu Erkenntnisschocks auftreten, die sich zur Beantwortung stellen. Viele Fragen mit mehr Aufwand werden in der Modellbewirtschaftung zu finden sein. „Ich hoffe, dass als Grundregel jede Veränderung der Regulierung eine vernünftige Regelung eines wie auch immer gearteten Bestandsschutzes beinhaltet“, sagt der Talanx-Manager. „Wenn die Frequenz bei einem Regelkreis größer ist als das, was eigentlich in den Systemen passiert, habe dies allen Anspruch darauf Angst einzuflößen.“ Wenn die Volatilität des Ganzen größer…