Erschienen in Ausgabe 3-2018Politik & Regulierung

Testierte Zahlen, bitte

Der neue internationale Rechnungslegungsstandard, das Abschlussprüferreformgesetz und weitere neue Anforderungen implizieren Umsetzungsaufwand und Gestaltungsmöglichkeiten zugleich. Teil 2 der Analyse zu Veränderungen in der Rechnungslegung von Versicherungsunternehmen.

Von Dr. Torsten UtechtVersicherungswirtschaft

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Wie bereits in der Februar-Ausgabe ausgeführt, kommt der neue IFRS Standard erstmals für das Geschäfts- und Berichtsjahr 2021 zur Anwendung. Aufgrund des vorgesehenen Vorjahresvergleichs besteht jedoch das Erfordernis, die bereits im Jahr 2020 gezeichneten Versicherungsverträge nach den Vorgaben des IFRS 17 zu modellieren. Für die Vorjahre bzw. den bis zu diesem Zeitpunkt aufgebauten „Altbestand“ gilt grundsätzlich eine retrospektive Anwendung und eine nachträgliche Bestimmung sowie Fortschreibung der CSM der Gruppen von Versicherungsverträgen, die in den Vorjahren gezeichnet worden sind. Aufgrund der hiermit verbundenen praktischen Schwierigkeiten und für den Fall, dass eine umfassende retrospektive Anwendung nicht oder nicht vollständig durchführbar ist, kann ein modifizierter retrospektiver Ansatz oder alternativ ein Fair Value Ansatz zur Anwendung kommen. Beim modifizierten retrospektiven Ansatz erfolgt eine bestmögliche Annäherung an einen vollumfänglichen retrospektiven Ansatz unter Verwendung sämtlicher Informationen, die ohne ungebührliche Kosten ermittelt bzw. beschafft werden können. Grundsatz ist auch hier eine rückwirkende Anwendung der neuen Bewertungsvorschriften auf alte, vergangene Neugeschäfts- oder Anfalljahre und die Bestimmung der CSM im Jahr der erstmaligen Erfassung älterer Versicherungsverträge sowie die nachträgliche Fortschreibung der CSM (Verzinsung, jährliche Aktualisierung und planmäßige ratierliche Auflösung) bis zum Jahr des Übergangs auf den IFRS 17. Bei der rückwirkenden Bestimmung zukünftiger Cash Flows kann im modifizierten Ansatz für bereits abgelaufene Perioden auf die tatsächlich realisierten Cash Flows abgestellt werden, d. h. anders als bei der umfassenden retrospektiven Bewertung müssen nicht nachträglich Annahmen zur Entwicklung voraussichtlicher Cash Flows in dem Zeitraum zwischen erstmaliger Erfassung der Verträge und Übergangszeitpunkt simuliert werden. Erlaubte Erleichterungen im modifizierten Ansatz betreffen auch die Gruppenbildung: die Vorschrift, wonach in einer Gruppe von Verträgen keine Verträge zusammengefasst werden dürfen, deren Zeichnung länger als ein Jahr auseinanderliegt, kommt nicht zwingend zur Anwendung, so dass unter dieser Voraussetzung nicht für jeden vergangenen Neugeschäftsjahrgang eine eigenständige, getrennte Gruppe modelliert werden muss. Der Standard sieht zudem Erleichterungen bei der rückwirkenden Modellierung von Diskontierungseffekten sowie der rückwirkenden Ermittlung der…