Erschienen in Ausgabe 3-2018Unternehmen & Management

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Versicherer rüsten sich gegen neue Risiken der Sharing Economy

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Die allmähliche Ausbreitung der „Sharing economy“ hat gravierende Auswirkungen auf die Nachfrage von Versicherungsschutz. Die British Insurance Brokers‘ Association kritisiert, dass die Assekuranz nur allzu langsam bereit sei, ihre auf Jahresbasis laufenden Deckungen auf solche umzustellen, die die jeweilige kurzfristige Nutzung zum Gegenstand haben. Vor drei Jahren war diese Deckungslücke Gegenstand eines Gesprächs in der Downing Street, zu dem der damalige Premier Cameron gebeten hatte. Mittlerweile aber beginnt die Versicherungsbranche tatsächlich ihre Produktpalette entsprechend den geänderten Lebensgewohnheiten der Kundschaft umzugestalten.
So hat beispielsweise die Allianz mit dem Automobilclub AA die Drivy Police auf den Markt gebracht, die die Vermietung von Privatautos an andere Private abdeckt. Drivy SAS ist eine Gesellschaft französichen Rechts, die auch in Großbritannien als Organisator von Autovermietungen P2P tätig ist. Die von Paulin Dementhon 2010 in Marseille gegründete Drivy bringt es auf 1,5 Mio. europaweite Nutzer und eine virtuelle Flotte von 45.000 Automobilen.
Veygo, ein Produkt der Admiral (hinter der wiederum als Rückversicherer Munich Re und Hannover Re stehen) gewährt Kunden die Deckung hinsichtlich der Nutzung fremder Autos. Eine 24-stündige Entleihung kostet 27,89 Pfund. Die Gewinnmargen des Veygo-Produkts dürften selbst unter Berücksichtigung eines Anti-Selektionseffekts (junge und ungeübte Fahrer) erheblich sein.
Guardhog Hostcover hingegen ist eine neuartige Police, die Hauseigentümer speziell hinsichtlich der Schäden abdeckt, die eine zeitweise Vermietung, etwa durch Airbnb mit sich bringen kann. Darunter fallen Diebstahl, unbeabsichtigte und böswillige Beschädigung durch den Mieter sowie auch mögliche Haftpflichtansprüche des Mieters. Die Police besteht nur in Ergänzung der weiterbestehenden Grunddeckung des Vermieters. Die Prämie bemisst sich nach der Wohnungsgröße sowie der Zahl der Übernachtungen. Die Zeichnungsagentur Guardhog, hinter dem Hiscox steht, möchte einen kleinen Teil der im Schnitt knappen 7.500 Pfund an den durch Wohnungseigentümer eingestrichenen Jahresmieten erhalten. Es heißt, erst wenn enstprechende die typischen Vermieter- und Mieterbelange abdeckende Policen vorhanden sind, könne die sharing economy so richtig wachsen. Allerdings drängt sich der Verdacht auf, dass es manchem Versicherer darum gehen könnte, Kunden temporäre Policen zu scheinbar günstigen Preisen unterzujubeln, die auf Jahresbasis…