Auf oder ab? Die Lebensversicherer vollziehen einen Kurswechsel weg von konventionellen hin zu kapitaleffizienteren Produkten.
Auf oder ab? Die Lebensversicherer vollziehen einen Kurswechsel weg von konventionellen hin zu kapitaleffizienteren Produkten.Quelle: ©Fotolia/ jeancuomo
Erschienen in Ausgabe 3-2018Schlaglicht

Nur keine Panik

Unternehmen stemmen sich mit neuen Produkten gegen die Flaute in der Lebensversicherung

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Die private Lebensversicherung ist ein Wirtschaftsfaktor. 90 Millionen Verträge mit rund 91 Mrd. Euro jährlichen Beitragseinnahmen belegen, dass die Bevölkerung trotz zunehmender Kritik von vielen Seiten an der zusätzlichen Altersvorsorge mit Lebensversicherungen festhält. Die sogenannten klassischen Garantieverträge treten allerdings immer stärker in den Hintergrund. Eines wird zudem übersehen: Immer mehr Menschen leben von Versicherungsleistungen, seien es Kapitalzahlungen oder Renten. Deren Anteil gegenüber der gesetzlichen Rente steigt stetig. Das liegt vor allem daran, dass vor 30 bis 40 Jahren die Lebenspolice ein ausgesprochen gutes Image hatte und jeder, der es sich leisten konnte, etwas fürs Alter zurückgelegt hat. Die Statistik des GDV zeigt, dass die ergänzenden Zahlungen aus der Lebensversicherung mehr als 30 Prozent der staatlichen Sozialversicherungsleistungen ausmachen. Mit dem vollständigen Wegfall der Steuerfreiheit Ende 2004 und den Finanzkrisen mit einer lang andauernden Niedrigzinspolitik ist aber eine ernsthafte Bedrohung für das künftige Lebensversicherungsgeschäft entstanden. Zu den Marktschwierigkeiten kamen weitere Nachteile durch die Rechtsprechung von EUGH, BGH und BVerfG. War zunächst noch unklar, ob es sich bei den niedrigen Zinsen um eine kurzfristige Entwicklung handelt, konnte man sich ausrechnen, dass spätestens mit den schwierigen Refinanzierungen von Staatsanleihen in Italien, Spanien, Portugal und Irland die politischen Kräfte in Europa den Zins langfristig niedrig halten werden. Als Alternativen zu Zinspapieren in der Geldanlage kommen zunächst nur Aktien in Betracht. Diese sind für Versicherer aufgrund der Solvency-II-Regeln mit nur geringerem Volumen akzeptabel. Aktien benötigen hohes Risikokapital, weil sie das Anlagerisiko deutlich erhöhen können. Lebensversicherungen haben zudem in der Bilanz erhebliche Verbindlichkeiten in Form von Deckungsrückstellungen, die für die zukünftig zu erwartenden Zahlungen aus den Verträgen zu reservieren sind. Art und Umfang werden in Deutschland stark reguliert. Die in einem Tarif zugrunde gelegten Rechnungsgrundlagen sind für die gesamte Laufzeit verbindlich. Die Versicherungsgesellschaften sind nun in der Niedrigzinsphase unterschiedlich gut oder weniger gut positioniert. Hinzu kommt, dass der Gesetzgeber 2011 zur Sicherstellung der zukünftigen Leistungen aus Lebensversicherungen die sogenannte Deckungsrückstellungs-Verordnung geändert hat und seitdem die sogenannte…