Kosten senken, Rendite erhöhen: Zuletzt trennte sich die Axa von rund 260.000 Policen in der betrieblichen Altersvorsorge. Der Bestand der Tochter Pro bAV Pensionskasse ging an die Abwicklungsplattform Frankfurter Leben über. Die Generali Leben überlegt, ob sie ähnliche Schritte einleitet.
Kosten senken, Rendite erhöhen: Zuletzt trennte sich die Axa von rund 260.000 Policen in der betrieblichen Altersvorsorge. Der Bestand der Tochter Pro bAV Pensionskasse ging an die Abwicklungsplattform Frankfurter Leben über. Die Generali Leben überlegt, ob sie ähnliche Schritte einleitet.Quelle: Axa
Erschienen in Ausgabe 3-2018Schlaglicht

Letzter Ausweg Run-off?

Rückversicherungslösungen stellen eine reputationsbewahrende Alternative zum Transfer kapitalintensiver Altbestände mit höheren Zinsgarantien dar

Von Thomas Witting und Till WagnerVersicherungswirtschaft

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Vielen gerät das Blut in Wallung, wenn nur der Begriff Run-off fällt, vor allem in Zusammenhang mit der guten alten Lebensversicherung, lange Jahre des Deutschen liebstes Kind. Im Grunde ist jedoch jede Lebensversicherungspolice ab Beginn ihrer Laufzeit in Abwicklung, also im Run-off; daran ändert auch eine Übertragung auf einen anderen Risikoträger nichts. Allerdings bildet das Vertrauen in die Kapitalstärke und die professionelle Kapitalanlage des Versicherers eine wesentliche Grundlage beim Vertragsabschluss, einer Entscheidung die schließlich für den Versicherungsnehmer mit dem Transfer erheblicher Finanzmittel verbunden ist. Die Enttäuschung entsteht also in erster Linie nicht durch die Schließung des Versicherungsbestands, d.h. der Einstellung des Neugeschäfts, sondern durch die Übertragung der Leistungsverpflichtung auf einen anderen, dem Versicherten in der Regel nicht bekannten Vertragspartner.

„ Die CDU arbeitet bereits an einer Regelung, wonach die Versicherten einem Verkauf ihrer Verträge zustimmen müssten."
Witting/Wagner

Für die Genehmigung eines solchen Transfers ist zwar die Zustimmung der Aufsichtsbehörde erforderlich und dafür sind die nicht unerheblichen Voraussetzungen, dass die Versicherten nicht schlechter gestellt werden dürfen als vorher, und, dass der übernehmende Risikoträger finanziell mindestens ebenso gut aufgestellt ist wie die abgebende Gesellschaft. Es verbleibt jedoch die Sorge, dass ein Run-off-Spezialist sich eher den Renditezielen seiner Eigentümer, das sind in der Regel Investmentfonds, als den Überschussbeteiligungen der Versicherten verpflichtet fühlen könnte. Als einen „massiven Vertrauensbruch gegenüber den Versicherten“ werten dann auch deutsche Politiker einen solchen Verkauf von Altbeständen und wollen diesen nicht hinnehmen. Die CDU arbeitet bereits an einer Regelung, wonach die Versicherten einem Verkauf ihrer Verträge zustimmen müssten. Nach Einschätzungen vieler Experten wie etwa auch der Rating-Agentur Fitch in ihrem Ausblick für 2018 stehen die deutschen Lebensversicherer unter erheblichem Druck. Dieser entsteht durch anhaltend niedrige Zinsen, stetig abnehmende Kapitalanlageergebnisse und Unsicherheiten hinsichtlich der Erfüllung der Garantiezinsverpflichtungen in ihren Altbeständen. Eine Veräußerung der kapitalintensiven Altbestände mit klassischen Zinsgarantien könnte den Lebensversicherern unmittelbar Luft bei den Kapitalerfordernissen nach Solvency II wie auch nach HGB verschaffen. Das ließe sie im…