Komplexität mit Marktpotenzial: Richtig eingesetzt bietet das neue Investmentsteuerrecht für Lebensversicherer und Vermittler Chancen, um sich aus Sicht des Kunden von anderen Wettbewerbern positiv zu unterscheiden.
Komplexität mit Marktpotenzial: Richtig eingesetzt bietet das neue Investmentsteuerrecht für Lebensversicherer und Vermittler Chancen, um sich aus Sicht des Kunden von anderen Wettbewerbern positiv zu unterscheiden.Quelle: © Fotolia/ DOC RABE Media
Erschienen in Ausgabe 3-2018Politik & Regulierung

Komplexität mit Potenzial

Was die Investmentsteuerreform auf Ebene fondsgebundener Lebensversicherungen bringt

Von Till Hannig und André DembskiVersicherungswirtschaft

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Am 1. Januar 2018 ist die Reform der Investmentbesteuerung in Kraft getreten. Damit sind ab sofort auch verschiedene Neuerungen bei der Besteuerung von Lebensversicherungen zu berücksichtigen. Dies führt zwar zu einer – weiteren – Komplexität bei der praktischen Anwendung der speziellen Steuerregelungen, birgt aber im Einzelfall auch bestimmte Steuervorteile für Kunden. Mitarbeiter in Lebensversicherungsunternehmen (LVU), Versicherungsvermittler bzw. –berater und nicht zuletzt Kunden, sollten sich daher zumindest überschlägig mit den neuen Vorschriften des Investmentsteuergesetzes (InvStG) und des Einkommensteuergesetzes (EStG) vertraut machen. Insbesondere aber für LVU erscheint es angezeigt, das Produktdesign fondsgebundener, d. h. „kapitaleffizienter“ Lebensversicherungsprodukte partiell an die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Gewinnt dieses Produktsegment doch gerade aufgrund des dauerhaft anhaltenden Niedrigzinsumfeldes und der damit einhergehenden kontinuierlichen Absenkung des Höchstrechnungszinses für klassische Lebensversicherungen zunehmend an geschäftspolitische Bedeutung (betrug im Jahr 2013 der Anteil dieser Produkte lediglich 28 Prozent des Neugeschäfts, machte dieser im Jahr 2017 bereits einen dominierenden Anteil von 60 Prozent aus).

Welche Lebensversicherungsprodukte sind betroffen?

Die nachfolgenden Ausführungen beschränken sich auf die neuen Besteuerungsregelungen auf Ebene fondsgebundener Lebensversicherungen. Die zahlreichen Neuerungen, die sich auf Ebene der Versicherungsunternehmen auswirken (Änderungen bei der Besteuerung von Spezial-Investmentfonds, „Vorabpauschale“, Teilfreistellung für „Direkt-Anleger“ von Investmentfonds, sog. 45-Tage-Regelung etc.) bleiben dabei unberücksichtigt. Ziel der grundlegenden Reform war es, neben der europarechtlich gebotenen Gleichstellung von inländischen und ausländischen Investmentfonds (früher: Publikums-Investmentfonds) ein einfaches, verständliches und gut administrierbares Besteuerungssystem zu schaffen. Bisher erfolgte die Besteuerung nicht beim Investmentfonds, sondern direkt – „transparent“ – beim Anleger. Im Vergleich zum bisherigen Recht ist jetzt neu, dass grundsätzlich inländische und ausländische Investmentfonds mit bestimmten inländischen Erträgen, insbesondere Dividenden sowie Immobilienerträge, direkt einer Steuerpflicht unterliegen (sog. intransparente Besteuerung). Erträge, die der Investmentfonds an seine Anleger ausschüttet (sog. Investmenterträge) sind daher –…