Andreas Eurich, Versicherungsmanager: 
Andreas Eurich, Versicherungsmanager: Quelle: © Barmenia
Erschienen in Ausgabe 3-2018Politik & Regulierung

„Am Ende des Tages muss ein Geschäft rentabel sein, sonst wäre es kein Geschäft"

Andreas Eurich, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Versicherungsunternehmen in Deutschland und Vorstandsvorsitzender der Barmenia, über soziale Verantwortung und schwierige Personalentscheidungen

Von Versicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Unternehmen gelten als Grenzgänger. Auf der einen Seite bauen Traditionskonzerne in Industrie und Finanzbranche immer wieder Stellen ab. Auf der anderen präsentieren sie sich als nachhaltig und sozial verantwortlich gegenüber Personal wie Kunden. Wie erklären Sie sich diese Dichotomie des Managements?

Andreas Eurich: Um ein Unternehmen nachhaltig zu führen, müssen manchmal kontroverse Maßnahmen ergriffen werden. Nachhaltigkeit bedeutet die Stabilität des Systems zu gewähren, also den Fortbestand des Unternehmens langfristig zu sichern. Unternehmen müssen auf Veränderungen der Umwelt immer wieder reagieren; auch darin zeigt sich Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Kunden. Nichtsdestotrotz fällt es einem Unternehmen immer sehr schwer, wenn es solche Maßnahmen wie Personalabbau ergreifen muss.

Ist das Streben nach Rentabilität, Kosteneffizienz und schlanken Strukturen vereinbar mit dem Prinzip der sozialen Verantwortung gegenüber dem Arbeitnehmer?

Die Beschäftigten sind die wichtigste Ressource in der Versicherungswirtschaft, ohne die das Versicherungsgeschäft keinen Bestand hat. Versicherer bieten ihren Arbeitnehmern im Vergleich zu anderen Branchen hohe tarifliche Löhne und zahlreiche Sozialleistungen. Natürlich muss ein Geschäft am Ende des Tages effizient und rentabel sein, sonst wäre es kein Geschäft. Auf genau diesem Streben nach der möglichst effizienten Schaffung von Kundennutzen basiert ja auch unser marktwirtschaftliches System. Dies steht nicht im Widerspruch zum Prinzip der sozialen Verantwortung.

Gerne, so scheint es, zeichnen sich die Unternehmen selbst mit dem Label „Socially Responsible“ aus. Wie ist ihre Sicht dazu? Bloße Chance auf neue Marktreichweiten oder tatsächlich auch der Ehrgeiz sich für einen konkreten Wertekanon einzusetzen?

Die Unternehmen sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst - und das ist wichtig und gut. Mit dem Label „Socially Responsible“ stellen sie den gesellschaftlichen Beitrag in den Mittelpunkt. Aus meiner Sicht ist es gar nicht so wichtig, ob der zündende Funke mit Blick auf den Markt oder aus dem Unternehmen selbst heraus kommt. Entscheidend ist der geleistete gesellschaftliche Beitrag und dessen selbstbewusste Kommunikation. Nicht zuletzt hat der Blackrock-Chef Larry Fink in seinem letzten „Letter to CEOs“ ja auch eine solche Purpose-Orientierung eingefordert. Als Arbeitgeber leisten die Versicherer mit ihrem Engagement im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit einen entscheidenden…