Versicherungswirtschaft: 03/2018
3-2018
3-2018
März 2018
Dr. Dirk Solte
Briefing
Zinsdilemma

Die Lebensversicherer kämpfen mit den Auswirkungen der Zinsentwicklung. Mit Run-offs sollen Effizienzvorteile erschlossen werden, um die den Kunden und Anlegern gegebenen Versprechen gewährleisten zu können (siehe Titelreport ab Seite 20). Klartext: Die Kosten sollen runter, damit die Verbindlichkeiten erfüllt werden können. Die öffentliche Wahrnehmung wird von Journalistik geprägt, die als das Kernproblem die Differenz zwischen garantierter Verzinsung der Prämien und der über sichere Finanzanlagen erzielbaren Renditen ausmacht. Sobald die Zahlungszuflüsse in einer Rechnungsperiode die Liquiditätsabflüsse unterschreiten, ist das längerfristig nicht tragbar. Im Prinzip ist das nicht falsch, aber es lohnt sich ein Blick darauf, warum diese Situation, die sich auf Bestände bezieht, eine so nachhaltig brisante Wirkung entfaltet. Ein Grund ist in der mangelnden Diversifikation bei den für den Mittelzufluss gehaltenen Aktiva in Verbindung mit der Knappheit wertschöpfender Vermögensgegenstände zu suchen. Werden maßgeblich Finanzaktiva gehalten, so ergibt sich daraus eine Art Kumulrisiko. Der Schaden, den ein dauerhaft gesunkenes Marktzinsniveau ausrichtet, tritt bei der Neuanlage kumuliert bei allen Finanzaktiva ein. Gut daran sind bei dem Absturz die, die rechtzeitig den Exit gemacht haben und in dauerhaft wertschöpfende Assets wie Immobilien geflüchtet sind. Diese „Flüchtlingswelle“ schaukelt sich seitdem in aberwitzige Höhen auf. Ein signifikanter, anderer Grund für die schwierige Situation sind die Bewertungsstandards, nach denen in den Bilanzen die Vermögens- und Verbindlichkeitspositionen kalkuliert werden. Das Eigenkapital ergibt sich aus deren Differenz. Bei finanziellen Verbindlichkeiten und finanziellen Forderungen bedeutet dies im Wesentlichen eine Barwertkalkulation, die von der angenommenen zukünftigen Zinsentwicklung abhängt. Nach den Turbulenzen in der Krise nach 2007 war daher bereits vor über zehn Jahren klar, welche Auswirkungen ein Absinken des Marktzinses auf die Fair Values in den Bilanzen haben wird. Das Aussetzen von Mark To Market bei den Handelsaktiva der Banken war nötig, um den damit verbundenen Ruin vieler Finanzinstitute nicht deklarieren zu müssen. Eine weitere Maßnahme, das Auslagern von notleidenden Finanzaktiva, nannte sich Bad Bank. Derartige, im Bewertungsansatz der Fair Values schlummernde Vermögensillusionen hatten alle Unternehmen auszubaden, deren Pensionsrückstellungen durch die Neubewertung auf der Basis des Marktzinses durch die Decke gingen, während der Deckungsstock sich nur unwesentlich veränderte. Schöne, neue Welt des Finanzreportings nach IFRS.

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