Erschienen in Ausgabe 9-2017Köpfe & Positionen

Kraftakt Regulierung.

Zu Management & Wissen: „Zielbilder ohne große Umwege“,

Von Walter KuhlmannVersicherungswirtschaft

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Mit IFRS 17 wird erstmals eine weltweit einheitliche Grundlage für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen geschaffen. Über Ländergrenzen hinweg entsteht eine größere Transparenz und Vergleichbarkeit. Die deutschen Versicherer befassen sich schon länger mit den Auswirkungen von IFRS 17 – positiv wie negativ. In der jetzigen Situation, in der viele Akteure noch am Anfang der Umsetzung stehen, wird der neue Standard vor allem als enormer Kraftakt wahrgenommen. Ähnlich wie es Solvency II auch war. Denn bereits bei dessen Umsetzung wurden die bestehenden Finanzsysteme mit viel Aufwand erweitert. Nun folgt mit IFRS 17 das nächste langwierige Umsetzungsprojekt, das in den kommenden Jahren sehr viele Ressourcen binden wird. Schließlich sind nicht nur das Rechnungswesen und Aktuariat von dem neuen Standard betroffen, sondern weitere Unternehmensbereiche.
Fakt ist: IFRS 17 wird nicht die letzte regulatorische Hürde bleiben. Wenn Versicherer sich nicht von einem regulatorischen Großprojekt zum nächsten hangeln wollen, müssen sie sich über kurz oder lang von ihren heterogenen IT-Landschaften verabschieden. Diese sind nicht nur unflexibel und ineffizient, sie halten den neuen Anforderungen bezüglich Qualität, Granularität und Geschwindigkeit der Datenaufbereitung nicht stand.
Vergleicht man zum Beispiel die benötigten Daten zur Erstellung von Solvency II, IFRS und einer kennzahlenorientierten Steuerung, so wird man eine Überschneidung von über 60 Prozent feststellen. Allein diese Zahl verdeutlicht, dass getrennte Umsetzungen und technische Lösungen keine ideale Antwort darstellen. Die betroffenen Versicherer sollten IFRS 17 als Chance verstehen, um sich jetzt mit einer integrierten Finanz- und Risikoarchitektur auf die Zukunft einzustellen.
Mit Schritten in Richtung zentraler Datenhaushalte und integrierter Architekturen schaffen Versicherer eine neue Handlungsfähigkeit, Flexibilität und Effizienz, da gleiche Informationen nicht immer wieder getrennt erstellt, prozessiert, aufbereitet und dem jeweiligen Fachbereich zur Verfügung gestellt werden müssen. Dadurch werden wichtige Akteure im Unternehmen enorm entlastet – ein Aspekt, der bei den Lösungsdiskussionen im Rahmen von IFRS 17 nicht vernachlässigt werden sollte.
Die Vereinheitlichung von Finanz- und Risikosystemen und der Aufbau integrierter Architekturen haben eine strategische Auswirkung. Die Rolle der Finanzabteilung verändert sich nämlich. Weg von der vergangenheitsorientierten Kontrollfunktion hin zur…