Erschienen in Ausgabe 9-2017Köpfe & Positionen

„Dollarprivilegien“.

Zu Titelreport: „Verteilungskampf um neue Markthorizonte“,

Von Jens SuedekumVersicherungswirtschaft

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Eines der ersten bekannten Interviews von Donald Trump stammt aus einem Playboy-Magazin des Jahres 1990. Bereits damals trieb ihn vor allem ein wirtschaftspolitisches Thema um: das amerikanische Handelsbilanzdefizit. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Trump hat eine klare Meinung, wann internationaler Handel „fair“ ist. Nämlich wenn Amerika nicht mehr aus jedem Land importiert als es dorthin exportiert. Bekanntlich hat das seit langem nicht mehr so gut geklappt. Letztes Jahr betrug das amerikanische Defizit gegenüber China rund 350 Mrd. Dollar. Bei Deutschland waren es immerhin noch 65 Milliarden. Aus der Perspektive eines Unternehmers, wie Trump einer ist, klingt das grauenhaft. Ein erfolgreiches Unternehmen verkauft viel, gibt aber wenig bei anderen aus. Es erwirtschaftet einen Überschuss. Deswegen ist der Merkantilist Trump auch neidisch und argwöhnisch, dass Deutschland und China sich ihre Überschüsse unfair erschlichen haben. Man kann nicht oft genug betonen, dass diese Sichtweise falsch ist. Eine Volkswirtschaft ist kein Unternehmen und ein Handelsbilanzdefizit ist kein Zeichen von Schwäche – genau wie ein Überschuss kein Zeichen von Stärke ist. Die Ursache von unausgeglichenen Handelsbilanzen liegen in makroökonomischen Konsum- und Sparentscheidungen.
China hat tatsächlich lange Zeit seine Exporte durch allerlei Tricks künstlich verbilligt, vor allem durch Währungsmanipulationen, die den Wechselkurs niedrig hielten. Das kann erklären, warum die Amerikaner so viel aus China importiert haben. Aber das aggregierte Handelsbilanzdefizit der USA folgt daraus nicht. Nehmen wir folgende Analogie: Ein Mensch will pro Tag nur eine bestimmte Anzahl an Kalorien zu sich nehmen. Nun sind chinesische Bandnudeln aber so billig, deshalb isst er viel davon. Dann muss er aber, will er die Kalorienobergrenze nicht sprengen, weniger andere Leckereien schnabulieren. Genau das haben die Amerikaner aber nicht getan. Seit 1990 konsumieren sie jedes Jahr insgesamt mehr als sie erwirtschaften. Das ist durch das „Dollarprivileg“ möglich, weil alle Welt ihr Geld im sicheren Hafen USA parkt. So wurde ein riesiger Schuldenberg gegenüber dem Ausland angehäuft, mittlerweile rund acht Billionen Dollar. Langfristig ist das ein Problem. Aber man kann es nicht dadurch lösen, indem man mit allerlei protektionistischen Instrumenten an bilateralen Handelsbilanzen herumdoktert.
Um im Bild zu bleiben: Wären die USA ein Mensch, dann wäre der Patient wegen des massiven Überkonsums der…