Erschienen in Ausgabe 9-2017Unternehmen & Management

Ein sicherer Platz im Schadenfall

XL-Rückversicherer begegnen Parameterrisiko mit prospektiven Modellen

Von Christian BuglVersicherungswirtschaft

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Betrachtet man die Reservierungspraxis von Großschäden im Bereich Kraftfahrthaftpflicht, so ist grundsätzlich zwischen Rentenreserven, die in den Deckungsstock überführt awurden und Schadenreserven zu unterscheiden. Bei ersteren ist bei der Reservierung von neu in den Deckungsstock überführten Schäden ein gesetzlich vorgeschriebener Höchstrechnungszins (aktuell 0,9%) zu beachten. Folglich darf für die Berechnung der Rentenbarwerte kein höherer Zinssatz als dieser angesetzt werden. Dieser gesetzliche Höchstrechnungszins wird in beschriebenen Fällen auch von einem Großteil der Erstversicherer angewandt – und nicht ein noch niedrigerer Zins, was zulässig wäre.
Ein ganz anderes Bild zeigt sich hingegen bei den Schadenreserven. Aufgrund der größeren Freiheiten bei der Wahl der Reservierungsparameter – es gibt hier keinen gesetzlich vorgeschriebenen Höchstrechnungszins – sind hier deutliche Unterschiede zwischen den Gesellschaften zu erkennen. Diese Unterschiede sind umso gewichtiger, da die Schadenreserven in aller Regel ein deutlich höheres Volumen darstellen als die Rentenreserven im Deckungsstock.
Die Abbildung 1 zeigt auf der horizontalen Achse die Zinssätze, wie sie von verschiedenen deutschen Erstversicherungsgesellschaften bei der Berechnung der Barwerte für die Schadenreserven verwendet werden. Auf der vertikalen Achse sind die künftigen jährlichen Teuerungen (=Dynamik) abgetragen, die bei der Barwertberechnung miteinkalkuliert werden. Die Abbildung veranschaulicht deutlich die weite Spreizung der verwendeten Paramater. Dies gilt sowohl für den Zinssatz (von 5% Zinssatz bis hin zu keiner Diskontierung) als auch für den Dynamikansatz (im Bereich von null bis drei Prozent einkalkulierter jährlicher Teuerung). In die Grafik sind die Parameter von 14 Erstversicherungsgesellschaften eingeflossen. Bei den vier größeren Kreisen verwenden jeweils zwei Gesellschaften die entsprechenden Parameter.

Abhängig von den Parametern der Erstversicherer

Auch beim sogenannten Nettozins (=Zinssatz abzüglich Dynamikansatz) ist eine sehr große Bandbreite von −0,25 Prozent bis hin zu fünf Prozent festzustellen. Man sieht, dass Gesellschaften, die einen hohen Zinssatz verwenden, nicht auch tendenziell eine hohe künftige Teuerung miteinrechnen, was zu einer gewissen Homogenisierung der resultierenden Nettozinsen geführt hätte. Ganz im Gegenteil gehen hier hohe Zinssätze bei einigen Gesellschaften mit einem nicht vorhandenen Ansatz für künftige Teuerung einher. Unterschiede…