Erschienen in Ausgabe 9-2017Märkte & Vertrieb

Versicherer kommen auf den Index

Anstatt direkt in Anleihen zu investieren, greifen immer mehr institutionelle Anleger zum Renten-ETF

Von Hamed Mustafa und Rizwan KhanVersicherungswirtschaft

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Beim Einsatz börsennotierter Indexfonds (ETFs) sind Versicherer in Europa Vorreiter: Keine andere Kundengruppe nutzt die Fonds inzwischen so stark wie die Assekuranz: Bei neun von zehn Gesellschaften in Europa bereichern ETFs das Portfolio, zeigt eine Umfrage, die das US-Analyse- und Beratungsunternehmen Greenwich Associates im März 2017 veröffentlicht hat. 132 institutionelle Investoren aus Europa nahmen daran teil, darunter Versicherer, Vermögensverwalter und Pensionsfonds. Die Studie offenbart zwei neue Trends beim ETF-Einsatz: Als Alternative zu einzelnen Anleihen nutzen Versicherer die Indexfonds zunehmend, um das Anlagespektrum um zusätzliche Anlageklassen zu erweitern.
Ursprünglich haben Versicherer vor allem Aktien-ETFs eingesetzt – um die Aktienquote im Deckungsstockvermögen abzubilden sowie im Rahmen fondsgebundener Dachfondslösungen, um kostengünstige und effiziente Produkte anbieten zu können. Nun kommen Versicherer vermehrt auf Anleihen-ETFs zurück – wenn es darum geht, ihr Deckungsstockvermögen effizient zu managen.

ETFs machen Markt zugänglich

Treiber dieser Entwicklung ist die abnehmende Liquidität am Anleihenmarkt, sprich in jener Anlageklasse, die traditionell den Großteil des Deckungsstockvermögens von Versicherern ausmacht. Die Liquidität geht zurück, weil Banken sich aus dem Anleihenhandel zurückziehen, um ihre Bilanzen zu bereinigen und neuen regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden.
Die verbliebenen Market-Maker beschränken sich im Handel zunehmend auf große Tickets. Wer kleinere Tickets handeln möchte, bleibt in der Regel außen vor. Das trifft vor allem kleine bis mittelgroße Versicherer, die mitunter nicht mehr zum Zuge kommen.
Vor diesem Hintergrund bieten börsengehandelte Indexfonds sich als Alternative zu einzelnen Anleihen an. Sie ermöglichen den Zugang zu einem breit diversifizierten Portfolio von Zinspapieren in einer einzigen Transaktion. So umfasst der iShares Global Corporate Bond UCITS ETF rund 4.800 einzelne Emissionen aus dem Bereich der Unternehmensanleihen weltweit. Der Greenwich-Umfrage zufolge ist ein schneller Marktzugang für 80 Prozent der institutionellen Investoren eines der wichtigsten Argumente für Anleihen-ETFs. Knapp dahinter folgt mit 72 Prozent die hohe Liquidität der Produkte. ETFs sind vielfach liquider als einzelne Papiere, was sich auch in historischen Stressphasen bewährt hat. Denn anders als einzelne Anleihen, bei denen Transaktionen in erster Linie außerbörslich ablaufen, werden Anleihen-ETFs an…