Erschienen in Ausgabe 9-2017Schlaglicht

„Größe allein garantiert im volatilen Geschäftsumfeld keinen Erfolg“

Chris Fischer Hirs, AGCS-Vorstandsvorsitzender, über Wettbewerbsdruck, Partnerschaften und neue Industrierisiken

Von Versicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Groß geworden bei der Schweizer Bank UBS, etabliert bei der Allianz, leiten Sie seit mittlerweile 2015 als Chief Executive Officer die Geschicke von Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). Welches Zwischenfazit würden Sie aus dieser Zeit ziehen? Was war Ihr größter Erfolg, mit welchen Entwicklungen sind Sie nicht ganz zufrieden?

Chris Fischer Hirs: Wir sind heute global aufgestellt. Wir haben eine Bilanz, eine Kapitalbasis, einen Talentpool und 72 Nationalitäten in unserer Belegschaft. Die AGCS ist im Jahr 2006 mit neun eigenen Standorten gestartet, heute sind wir in 32 Ländern präsent. Die Beitragseinnahmen haben sich auf über 7,6 Mrd. Euro fast verdreifacht. Dies ist ein toller Erfolg der Führungsmannschaft, aber auch unserer Mitarbeiter. Doch auf diesem Erfolg ruhen wir uns nicht aus. Wir investieren jährlich rund 100 Mio. Euro, um unsere Systeme und Prozesse entsprechend der Kunden- und Markterwartungen weiterzuentwickeln.

Anfang des Jahres kündigten Sie an, Geschäftsmodell und Aufstellung der Allianz-Industrietochter runderneuern zu wollen. Den Start in das laufende Jahr kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Wie sieht die Zielrichtung für die kommenden Jahre aus?

Wir befinden uns in einem sehr wettbewerbsintensiven Marktumfeld, das auf absehbare Zeit von Niedrigzinsen, Prämiendruck und Überkapazität bestimmt sein wird. Ein Weiter-so hätte nicht genügt, um bisherige Erfolge fortzuschreiben. Im vergangenen Jahr haben wir unsere komplette Organisation auf den Prüfstand gestellt. Die zentrale Frage war: Machen die richtigen Leute an den richtigen Orten die richtigen Aufgaben? Jetzt sind wir dabei, Prozesse zu vereinfachen und neu zu ordnen. Bestimmte Aufgaben wandern von Underwriting zu Operations, andere lagern wir in Allianz Shared-Services-Einheiten aus oder automatisieren sie mit Hilfe von Robotern.

Was erhoffen Sie sich genau davon?

Wir werden produktiver, können aber vor allem schneller und lösungsorientierter in Richtung Kunden agieren. Wir möchten unsere Underwriter oder Schadenbearbeiter von administrativen Routinejobs entlasten, damit sie sich stärker auf die Kundenbeziehung konzentrieren können.

Welche Marktakteure werden dem harten Wettbewerb in der Industrieversicherung langfristig nicht standhalten können? Bleiben am Ende nur noch die Großen?

Das wird der Markt entscheiden. Im Moment ist in der Versicherungsbranche vieles in Bewegung. Es gibt Übernahmen und Konsolidierung – zugleich fordern Insurtechs die…