Erschienen in Ausgabe 9-2017Schlaglicht

Risiko am Fließband

Industrieversicherung zwischen Old Economy und New Business

Von Sascha SchulzVersicherungswirtschaft

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Die heutige Autoproduktion ist ein hochkomplexes und arbeitsteiliges Feld. Das Schadenpotenzial entlang der Lieferkette nimmt fortwährend zu – auch, weil die Branche immer globaler agiert und sich die Supply Chains über den gesamten Globus erstrecken. Kommt es an einem Ende der Lieferkette zu einem Produktionsstopp, hat das heutzutage noch größere Auswirkungen als in der Vergangeneheit.
„Viele Hersteller setzen zunehmend auf hochgradig spezialisierte Einzelzulieferer – oft bleibt ihnen aufgrund des Preiskampfs keine Wahl, als alternativlos auf einen bestimmtem Zulieferer für ein spezielles Produktionsteil zu setzen“, erklärt Nigel Todd, Operations Vice President und Client Service Manager bei FM Global. „Fällt dieser Zulieferer aus, macht sich das bei Just-In-Time-Lieferungen sofort bemerkbar.“ Und das Potenzial solcher Szenarien nimmt zu. Verschärft wird es durch Cyberrisiken wie beispielsweise Datenverluste, böswillige Einflussnahme auf die IT-Infrastruktur oder Betriebsabläufe in Zeiten von Industrie 4.0.

Versicherer rüsten Engineering-Angebot auf

Nun sind die Industrieversicherer gefordert, mit innovativen Deckungskonzepten gegenzusteuern – in einer Branche, deren Ruf angesichts der Diesel-Affäre, Produktrückrufen und mutmaßlichen Kartellvergehen mächtig strapaziert wurde. Bei einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit kommt es gerade in solchen Krisenmomenten darauf an, dass sich das Unternehmen auf seinen Versicherungspartner verlassen kann.
Nach wie vor ist der Idealfall natürlich, dass ein Schaden gar nicht erst eintritt. „Mit unseren Kunden arbeiten wir stets an der Schadenprävention und entwickeln unsere Deckung kontinuierlich weiter“, erklärt Todd. „Im Bereich Cyber haben wir beispielsweise nicht nur unsere Deckung erweitert, sondern auch unser Engineering-Angebot. Wenn sich die Industrieversicherer und Unternehmen aus der Automobilbranche auf Augenhöhe begegnen und potenzielle Risiken gemeinsam identifizieren und minimieren, ist eine funktionierende, partnerschaftliche Zusammenarbeit auch in Zeiten von Krisen möglich.“
Die deutschen Automobilbauer haben es derzeit nicht leicht. Die Öffentlichkeit sucht „den“ Hauptschuldigen im Abgas-Sumpf. Entwicklungsmitarbeiter geben vor, schriftliche Beweise für eine Mitwisserschaft ihrer obersten Chefs vorlegen zu können. Aktuellstes Beispiel ist der Ex-Audi-Ingenieur Giovanni P. Er glaubt belegen zu können, dass Audi-Chef Rupert Stadler über die Diesel-Abgasprobleme seit zehn Jahren Bescheid wusste. Das dürfte…