Erschienen in Ausgabe 9-2017Trends & Innovationen

Schaden-Prisma August 2017

Nach Stuttgart 21 droht mit der Rheintalbahn ein weiteres Infrastrukturprojekt zum Kostenloch zu werden

Von Dominic EggerVersicherungswirtschaft

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D ie Bohrpanne passierte genau zur Urlaubszeit im Südwesten. Zig tausend Reisende strandeten Mitte August an Bahnhöfen oder mussten ihre Reise in vollen Schienen-Ersatz-Bussen fortsetzen, nachdem bei den Arbeiten zur neuen Rheintalbahn in Niederbühl bei Raststatt das Erdreich unter dem Gleisbett versank. Der Plan, dieses durch Vereisung zu stabilisieren, war nicht aufgegangen.
Auch der Güterverkehr steht still, wo sonst bis zu 200 Güterzüge täglich verkehren. Durch die Sperrung gehen zwölf Mio. Euro an Umsatz verloren, rechnet der Bahnverband Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) vor. Versichert sind dessen Mitgliedsunternehmen allerdings nicht. Man prüfe Regressansprüche, sagt Verbandschef Peter Westenberger gegenüber der Versicherungswirtschaft.
10.000 Kubikmeter Beton wurden in Windeseile in den Tunnel gepumpt, das unbedingte Ziel: Die Strecke schnell wieder an den Zugverkehr zurückgeben. Wie es weitergeht, wenn der Bautunnel auf 150 Metern mit Beton „verfüllt“ ist, darüber schweigt sich die Deutsche Bahn derzeit noch aus.

Beton begräbt Bohrer

Einbetoniert wird auch die 18 Mio. teure Tunnelvortriebsmaschine Wilhelmine, die sich von dieser Seite in den Berg fressen sollte. Zwar überlege die Bahn, die 90 Meter lange Lady noch zu bergen, berichten die Badischen Neuesten Nachrichten, doch sei die Maschine dann schrottreif. Das Erdreich war direkt über ihr, ungefähr 40 Meter hinter dem Bohrschild abgesackt. Vier Häuser mussten aufgrund der mangelnden Bodenintegrität evakuiert werden, deren Bewohner verbrachten die sieben Tage währende Spritztour aus Beton im Hotel. Den Abonnenten im Nahverkehr wollen Deutsche Bahn und der lokale KVV für die Dauer der Sperrung 50 Prozent des Fahrpreises erlassen, auch den Fernverkehrs- und Bahncard-100-Kunden wurden ähnliche Kulanzleistungen in Aussicht gestellt. Über die Schadenhöhe will die Bahn aktuell keine Auskunft geben.
Bis zum 7. Oktober bleibt die Strecke gesperrt, so die Information zu Redaktionsschluss. Wie der Bau an der Rheintalbahn weitergeht, darüber wird derzeit spekuliert: So ist eine ganz neue Trassenführung im Gespräch, ein Bahnsprecher hingegen erklärte, man werde „eher“ auf der geplanten Strecke bleiben. Bis zum Rückversicherungs-Treffen in Baden-Baden ist die Strecke zwischen Karlsruhe und der Kurstadt hoffentlich wieder passierbar.

Alarmstufe Rot in chinesischer Provinz Liaoning

Starkregen sorgte Anfang August in acht Landesteilen der Volksrepublik für erhebliche ökonomische Schäden, allein in Liaoning…