Erschienen in Ausgabe 9-2017Trends & Innovationen

Katzenjammer in Monte Carlo

Rückversicherer verharren in der Verlustzone, trotzdem lohnt sich das Weiterzeichnen

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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In eher gedrückter Stimmung dürften die meisten der wohl wieder mehr als 2.500 Teilnehmer am 61. Monte Carlo Rendez-vous de Septembre (14. bis 18.9.) nach Monte Carlo reisen, jedenfalls diejenigen, die nicht Anwälte, Consultants oder Run-off-Spezialisten sind. Trotz Niedrigzinsen, der lästigen Konkurrenz durch Risikoverbriefungen und nicht ausreichender Preise im Neugeschäft fehlen angesichts des noch vorhandenen, bei fünf Prozent der Combined Ratio liegenden Reserveabwicklungsgewinns die Anzeichen für eine überfällige Marktverhärtung. Die Talfahrt bei den Raten scheint gar noch weiterzugehen. Eine Milliarden kostende Naturkatastrophe könnte den Trend jedoch umkehren und erneut die Zyklizität der Branche beweisen. Zwar hat sich der Konzentrationsgrad der Branche in den letzten zehn Jahren ständig erhöht, aber auch ein faktisches Oligopol schützt nicht vor Preiskämpfen.

Run-off-Gewinne sind nur Kosmetik

Die von der Ratingliste AM Best auf der Basis der Bilanzzahlen 2015 aufgestellte Rangliste der größten Rückversicherer differenziert zwischen Lebens- und nicht-Lebensprämie der einzelnen Rückversicherer. Es gibt reine Lebensrückversicherer (RGA, Great West), reine nicht-Lebensrückversicherer (die meisten Bermuda-Gesellschaften fallen in diese Kategorie) und in beiden Geschäftssegmenten tätige Rückversicherer. Ein hoher Anteil des Lebengeschäfts bedeutet ein stabileres, weniger den Zyklen-Schwankungen unterworfenes Portfolio.
Die 21 Marktteilnehmer umfassende Statistik der Association of Bermuda Insurers and Reinsurers verzeichnet eine aggregierte Bruttoprämie von 92,3 Mrd. Dollar (davon allerdings 59,8 Mrd. Erstversicherung) bei einer Kapitalisierung von 12,6 Mrd Dollar. Im Durchschnitt lag die Combined Ratio bei sehr auskömmlichen 79,3 Prozent, wohl auch aufgrund des Ausbleibens von US-Hurrikans nennenswerter Stärke. Jedoch kamen vier der Gesellschaften bereits auf eine Combined Ratio von mehr als 100 Prozent, verzeichneten also technische Verluste: Hamilton Re, Maiden Holdings, Third Point Re sowie Watford Re. Für eine ausreichende Eigenkapitalrendite dürfte eine Combined Ratio von unter 95 Prozent erforderlich sein. Von den 21 beobachteten Gesellschaften fielen weitere sechs in den bereits kritischen Bereich mit einer Combined Ratio zwischen 95 und 100 Prozent. In eine ähnliche Richtung geht es bei den US-Rückversicherern. Gemäß der Reinsurance Association of America wuchs die Nettoprämie 2016 von 38,9 Mrd. auf 41,1 Mrd. Dollar an, die Combined Ratio…