Erschienen in Ausgabe 9-2017Trends & Innovationen

„Nicht alle Riester-Produkte sind schlecht“

Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer über die Vorzüge einer Deutschland-Rente

Versicherungswirtschaft

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„Nicht alle Riester-Produkte sind schlecht“

Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer über die Vorzüge einer Deutschland-Rente

Sie planen eine „Deutschland-Rente“, die allen Beschäftigten eine bAV per Treuhandfonds ermöglichen soll. Sollten sich Makler und Versicherer darauf freuen?

Zunächst einmal dürfte die Deutschland-Rente zu deutlich mehr Geschäft im Bereich der kapitalgedeckten Altersvorsorge führen. Gleichzeitig entlasten wir die Produktanbieter mit einem „vereinfachten Zulagenverfahren“ erheblich von Bürokratie und lockern die teuren Riestergarantien. Es würde mich wundern, wenn Anbieter hiergegen grundsätzliche Einwände haben. Der Deutschlandfonds mit seinem Standardprodukt stößt bei einigen natürlich erstmal auf Zurückhaltung. Letztendlich wollen wir aber mit der Deutschland-Rente eine einfache und kostengünstige Benchmark setzen, um die Attraktivität von Riesterprodukten insgesamt zu verbessern und Vertrauen zurück zu gewinnen. Gerade bei Einführung eines „Opt-out“-Modells bedarf es nach den teils schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit eines solchen einfachen und kostengünstigen Angebots durch einen staatlich organisierten Anbieter.

Als zu teuer und zu komplex kritisieren Sie Riester-Produkte. Warum bieten Sie diese trotzdem als Wahlmöglichkeit an?

Riesterprodukte sind zum Teil völlig überteuert. Hier besteht Handlungsbedarf. Das heißt aber nicht, dass alle Riesterprodukte oder das Riestersystem insgesamt schlecht sind. Im Übrigen ist die heutige Zulagenförderung gerade für Geringverdiener eine wichtige und zielgenaue staatliche Förderung. Mit der Deutschland-Rente wollen wir Riester nicht abschaffen, sondern heutige Schwächen im System beseitigen. Dazu gehört neben der Lockerung von Garantien ein „vereinfachtes Zulagenverfahren“. Auch die Produktauswahl im Rahmen der automatischen Einbeziehung soll für Arbeitgeber bzw. Beschäftigte einfach ausgestaltet werden.

Wie wollen Sie das Anlagerisiko durch den höheren Aktienanteil in den Griff bekommen?

Das Anlagerisiko bekommen wir durch eine breite Diversifizierung weltweit in den Griff. In den letzten Jahren der Ansparphase schichten wir zudem einen Teil des Anlagevermögens sukzessive in festverzinsliche Wertpapiere um. Damit begegnen wir Volatilitäten der Aktienmärkte kurz vor Renteneintritt. Im Übrigen spielt erhöhte Volatilität der Aktienanlage bei einer langfristigen Anlage wie der Altersvorsorge kaum mehr eine Rolle.
Bislang verhindern gesetzlich vorgeschriebene Garantien für Riesterprodukte in…