Erschienen in Ausgabe 9-2017Trends & Innovationen

Kampferprobt im Zahlenspiel

Vor der Wahl stemmt sich die PKV gegen Mitgliederschwund und Ideen zur Einheitskasse

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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PKV-Anbieter rücken zusammen – zumindest in der digitalen Welt. Das Bundeskartellamt hat der Beteiligung der Debeka und der Versicherungskammer Bayern (VKB) an MGS Meine Gesundheit-Services GmbH zugestimmt – einem Joint Venture des Versicherers Axa und des Software-Unternehmens Compugroup Medical. Die Plattform schaffe „deutliche Mehrwerte für unsere Mitglieder“, begründete Debeka-Chef Uwe Laue den Schritt. Das ePortal „Meine Gesundheit“ dient der Vernetzung von Privatpatienten, Versicherern, Ärzten und anderen Leistungserbringern. Ziel ist es, Prozesse des Gesundheitsmanagements zu vereinfachen. Herzstück des ePortals ist das digitale Rechnungsmanagement, mit dem Abrechnungen erstmals komplett papierlos möglich sind. Seit Mai 2016 nutzen Axa-Kunden das Angebot, mit Debeka und VKB steht die Plattform ab 2018 dann ingesamt 3,5 Millionen Vollversicherten offen. Die Krankenversicherer hoffen auf die Beteiligung weiterer PKV-Unternehmen.

Angriff auf den Marktführer bei seiner wichtigsten Klientel

Solch positive Meldungen hat die PKV im Wahlkampf dringend nötig. Schließlich werden SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen nicht müde, die Defizite des dualen Gesundheitssystems zu betonen. Dass Deutschlands größter Krankenversicherer bereits jetzt Beitragssenkungen für 2018 ankündigt, bewerten sie daher als politisches Manöver vor der Bundestagswahl. Mindestens 1,2 Millionen Kunden, also fast jeden vierten ihrer 4,6 Millionen Voll- und Zusatzversicherten, will die Debeka entlasten – und zwar um durchschnittlich 1,5 Prozent. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält das für eine „Sondersituation“. Die meisten der Debeka-Versicherten seien Beamte. Weil diese eine staatliche Beihilfe von 50 Prozent und im Alter sogar von 70 Prozent erhielten, werde der Kostenanstieg „zum größten Teil vom Steuerzahler abgefangen“, sagt er dem Tagesspiegel. Die angekündigte Beitragssenkung verweise infolgedessen nur umso stärker auf die Ungerechtigkeiten der Finanzierung, erklärt Lauterbach.
Die Debeka widerspricht der Behauptung, dass die PKV auf längere Sicht mit den Beitragssteigerungen weit über der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liege. Eine Studie des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung habe ergeben, dass die Debeka hier sehr wohl mit den gesetzlichen Anbietern mithalten könne. Trotz aller Kassandrarufe, steigender Gesundheitsausgaben und anhaltender Niedrigzinsen hält Uwe Laue das Geschäft der PKV-Unternehmen weiterhin für stabil und krisensicher. Vor wichtigen…