Erschienen in Ausgabe 9-2017Trends & Innovationen

Allianz-Vertreterin verklagt eigenen Konzern

Münchener Versicherer gibt Fehler bei der Berechnung von Rentenansprüchen zu

Versicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Der Allianz droht juristisches Ungemach aus den eigenen Reihen. Der Vorwurf: Der Münchener Versicherer soll viele seiner mehr als 8.000 Vertreter über Jahre hinweg um Teile ihrer Rente gebracht haben. Eine Allianz-Vertreterin hat beim Landgericht München I Klage gegen den Konzern eingereicht, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Demnach „seien Verträge nicht erfasst worden oder irgendwann einfach aus der Versorgungsberechnung gefallen,“ beispielsweise wenn der Kunde den Agenten gewechselt habe. Allein bei der betroffenen Dame sollen demnach mehr als 1.000 Verträge – hauptsächlich Lebens- und Sachversicherungen – bei der Altersvorsorge nicht korrekt verbucht worden sein. Im Fokus der Kritik steht dabei vor allem die Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG (ABV), eine Tochter der Allianz SE. So will die betroffene Vertreterin das Unternehmen seit 2012 mehrfach schriftlich auf angeblich offenkundige Fehler hingewiesen haben. Bei der Überprüfung seitens der ABV sollen jedoch immer wieder neue Fehler aufgetaucht sein, obwohl sogar ranghohe Allianz-Manager Besserung gelobt hätten. Besonders in ihrem Falle soll die ABV entsprechende Berechnungsfehler „jahrelang ignoriert, verleugnet und vertuscht“ haben, moniert die Vertreterin. Die Allianz spricht auf Anfrage von VWheute von einem Einzelfall. „Wir haben dabei festgestellt, dass wir Fehler gemacht haben und sie korrigiert“, erklärt eine Unternehmenssprecherin. „Wir nehmen es natürlich sehr ernst, wenn wir auf Unstimmigkeiten oder eventuelle Fehler in unseren Abläufen und Prozessen aufmerksam gemacht werden. Wir prüfen dabei immer nicht nur den Einzelfall, sondern auch, ob es sich um ein generelles Problem handelt.“ Konzernchef Oliver Bäte veranlasste eine Klärung des Vorgangs. Aber auf Fehler im System gebe es keine Anhaltspunkte, betont die Allianz. „Deshalb haben Spekulationen über finanzielle Nachforderungen keine Substanz“, stellt die Sprecherin klar. vw