Erschienen in Ausgabe 9-2017Märkte & Vertrieb

Warten auf des Ende der Wetterkapriolen

Italienische Naturextreme stellen Versicherer vor eine harte Belastungsprobe

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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Wer angesichts von Hitze und Dürre der vergangenen Sommerwochen dachte, das Schlimmste sei sicher bald überstanden, irrte. Die Skala rekordverdächtiger Temperaturen scheint in diesem Sommer der Superlative nach oben offen. 40 Grad und mehr verzeichnen die Meteorologen von Bozen bis Catania in der ersten Augusthälfte. Und trotz der heftigen Gewitter am südlichen Alpenrand, in Venezien und der Lombardei, die zu millionenschweren Sachschäden führten, ist dieser Sommer der Rekorde noch nicht vorbei. Von Nord nach Süd brennen die Wälder; Feuerwehren und Löschstaffeln werden der Flammenmeere kaum noch Herr.
Ein regenarmer Frühling, gefolgt von einem Sommer ohne jegliche Niederschläge lassen mediterrane Macchia und Pinienwälder brennen wie Zunder. Bedroht sind nicht nur abgelegene Berge und Täler; auch in den Ballungszentren Mittel-und Süditaliens kommt es immer häufiger zu Bränden; der Autobahnring um Rom oder die wichtige Nord-Süd-Trasse Mailand-Neapel sind fast täglich irgendwo gesperrt. Zum ökologischen Notstand kommt die handfeste Bedrohung für Leben und Besitz. Die Lage ist dramatisch: Der akute Wassermangel bedroht die Land- und Viehwirtschaft, die Ernten verdorren auf den strohtrockenen Feldern. Italiens Landwirtschaftsverband „Coldiretti“ schlägt Alarm. 80 Prozent der Nutzflächen können inzwischen nicht mehr bewässert werden; ein Großteil an Getreide, Feldfrüchten und Obst sind vernichtet; das Gleiche gilt für die Existenz vieler Landwirte.

Tourismusbranche mit Rekordzahlen

Während sich die Verbraucher auf starke Preisanstiege einstellen müssen, rechnet man in den Schadenszentralen der Versicherer und Rückversicherer mit einem echten Katastrophenjahr; und dabei ist 2016 mit seinen verheerenden Erdbebenschäden noch kaum verdaut. Für konkrete Zahlen ist es noch zu früh, dennoch dürften die Schäden der Dürreperiode schon jetzt in die Milliarden gehen. Zum Herbstbeginn drohen derweil schon die nächsten Wetterextreme. Die zu erwartenden heftigen Unwetter mit Hagel, Starkregen und Tornados werden vielerorts auf dem gebirgsreichen Stiefel auf einen von Bränden und Bodenerosion ausgezehrten Untergrund treffen, der nicht mehr in der Lage ist, die Wassermassen aufzunehmen.
Ungeteilt freuen kann sich über die extreme Sommerhitze nur die Tourismusbranche. Italien steuert, gemessen an den Übernachtungszahlen, auf einen absoluten Rekord zu. Bis Ende August, so die Branchenverbände, seien sämtliche von den Reservierungssystemen erfassten Quartiere an den Küsten restlos…