Erschienen in Ausgabe 9-2017Märkte & Vertrieb

Neue Luftschlösser in London

Die politische Elite zieht den Brexit mit unrealistischen Forderungen in die Länge, Lloyd’s leidet darunter besonders stark

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Gemäß einer Studie von KPMG gedenkt derzeit die Häfte der für die größten britischen börsengelisteten Unternehmen arbeitenden EU-Ausländer das Land bis zum Wirksamwerden der Brexit-Erklärung Ende März 2019 verlassen zu haben. Das Bruttosozialprodukt wird in der Folge sinken, so auch die Steuereinnahmen. Der Kurs des britischen Pfunds ist inzwischen auf dem niedrigsten Niveau seit der Finanzkrise angekommen. Wohl auch deswegen hat die Regierung in London den europäischen Verhandlungspartnern eine zeitlich begrenzte Zollunion vorgeschlagen. Eine solche Übergangsperiode könne der Wirtschaft auf beiden Seiten mehr Sicherheit geben, teilte das Brexit-Ministerium mit. Der Vorschlag sei „Fantasie“, reagierte Guy Verhofstadt, Brexit-Beauftragter für die EU. Erst muss es eine Einigung bei den Scheidungsgesprächen geben – dies betrifft die Austrittskosten, den Status der EU-Bürger in Großbritannien sowie die künftige Grenze zwischen Nordirland und Irland – bevor die EU bereit ist, über künftige Beziehungen zu sprechen. Bezüglich der Grenzkontrollen legt sich London fest: Zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Landesteil Nordirland wird es keine geben. Stattdessen solle das vorgeschlagene Zollabkommen mit der EU so ausgestaltet werden, dass Grenzposten nicht notwendig seien.
Derweil formt sich eine politische Bewegung, die Großbritannien weiterhin in der EU sehen will. James Chapman wird eine neue Partei namens „Die Demokraten“ beim Volksmarsch für Europa am 9. September offiziell gründen. Brisant: Bis vor Kurzem war er als Stabschef des Ministers für den EU-Austritt, David Davis, tätig.

Lloyd’s braucht mehr Kapital für Brüssel und streicht Stellen

Bis Mitte Juni hatten beaufsichtigte Finanzdienstleister der Prudential Regulatory Authority (PRA) Pläne zur Strategie unter unterschiedlichen Brexit-Szenarien einschließlich eines harten Brexits vorzulegen. Berücksichtigen müssen die Unternehmen dabei die Erwartungshaltung der Eiopa. Diese verlautbarte, dass die essenziellen Unternehmensfunktionen (Strategie, Internal Audit, Compliance) am Ort der neuen Gesellschaft angesiedelt sein müssten. Ferner müsse eine solche neue Gesellschaft in nennenswertem Umfang Risiko im Selbstbehalt laufen, d.h. zehn Prozent.
Diese Forderung könnte allerdings die Illusion von Lloyd’s zerstören, die neue Brüsseler Vorschaltgesellschaft käme mit einem Selbstbehalt von unter fünf Prozent davon. Wenn Lloyd’s das bisherige EU-Geschäftsvolumen von ca. 20 Prozent von 30 Mrd. Pfund bei…