Erschienen in Ausgabe 9-2017Köpfe & Positionen

Im Profil Stefan Knoll

„Mein Leben durchzieht als roter Faden das Bedürfnis zu gestalten“

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Die Frage nach Gemeinsamkeiten zwischen der Bundeswehr und der Deutschen Familienversicherung (DFV) ist schnell beantwortet. Stefan Knoll hat den Rang eines Oberst der Reserve inne und ist Eigentümer sowie Vorstandsvorsitzender des digitalen Versicherers mit Hauptsitz in Frankfurt. Was vor nunmehr zehn Jahren gemeinsam mit seinem mittlerweile verstorbenen Partner Philipp Vogel „mit einem Sprung ins kalte Wasser“ begann, ist zu einer kleinen Erfolgsgeschichte geworden. Das von beiden damals selbst so bezeichnete „Wahnsinnsprojekt“ hat sich etabliert und schreibt schwarze Zahlen. Stabile 70 Mio. Euro jährliche Beitragseinnahmen mit deutlichem Steigerungspotenzial werden von 120 Mitarbeitern mit Hilfe der Technik betreut.
Schon auf den ersten Blick unterscheidet sich das Büro des 59-jährigen „Self-Made-Mannes“ Knoll deutlich von dem anderer Top-Manager. Während oftmals überdimensionierte Ölgemälde oder abstrakte Skulpturen die Chefzimmer prägen, blicken akkurat an einer Wand angebrachte Porträts bedeutender einflussreicher Persönlichkeiten der Zeitgeschichte auf den Besucher nieder. Alle Bilder wurden von Knoll selbst gemalt. Das reicht von Friedrich dem Großen über Helmut Kohl bis hin zu Prinz Eugen. Es ist die Passion des Firmenchefs, auf seine ganz spezielle künstlerische Art an deren geistige Größe und Wirkenskraft zu erinnern.

Militärische Erfahrungen prägen berufliche Karriere

Da stellt sich die Frage, woher der Drang kommt, Porträtbilder zu malen. Knolls einfache Antwort: „Mein Leben durchzieht als roter Faden das Bedürfnis zu gestalten. Unternehmen aufzubauen, sehe ich als gestalterischen Vorgang, Versicherungsprodukte zu entwerfen ebenfalls.“ Was weniger bekannt ist: Knoll ist auch Publizist. Von ihm stammt ein 660-seitiger Wälzer unter dem Titel „Preußen – ein Beispiel für Führung und Verantwortung“. Zentraler Bestandteil der deutschen Wertekultur, so seine Meinung, sei zweifelsohne Preußen, weil dieser Staat mit seinen Ansichten, Strukturen und seiner Geschichte Deutschland wie kein anderer geprägt habe. Stefan Knoll ist ein Unternehmer mit Ecken und Kanten, der aber in der heutigen Zeit, gerade in der noch immer recht konservativen Versicherungsbranche, eher zu den Exoten zählt. „Es gibt immer die zwei Möglichkeiten einer Karriere“, sagt der Manager. „Entweder kletterst du eine Leiter hoch oder du baust dir eine eigene Leiter. Ich habe mich für Letzteres entschieden.“ Knoll weiß, dass er nur als sein eigener Chef seine Ideen problemlos und vor allem…