Erschienen in Ausgabe 8-2017Köpfe & Positionen

Phyrrhussieg.

Zu Management & Wissen: „Fairness gewinnt“,

Von Christian Mylius und Marco GerhardtVersicherungswirtschaft

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Doch kein Honorarannahmeverbot für Makler: Rettung des Berufsstands oder Pyrrhussieg für Courtagevermittler? Das IDD-Umsetzungsgesetz hat kurz vor der parlamentarischen Sommerpause den Bundestag passiert und wird im Februar 2018 in Kraft treten. Auch dank des heftigen Aufbegehrens der Maklerbranche und ihrer Interessensverbände wurde eine strikte Trennung zwischen Honorar- und Courtagevermittlung auf den letzten Metern gestrichen. Doch das Gesetz bleibt ein gravierender Eingriff in die Vertriebslandschaft der deutschen Assekuranz. Vermittler müssen sich weiterhin dringend mit der Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit beschäftigen.
In einer Anhörung vor dem zuständigen Wirtschaftsausschuss Ende Mai hatten die Vertreter der Vermittlerbranche ihrer Ablehnung gegenüber der Trennung von Honorar- und Courtagevermittlung nochmals deutlich Ausdruck verliehen. Der Gesetzgeber begreife die auf Provisionsbasis arbeitenden Vermittler und Makler offenbar als „geld- und von Interessenkonflikten getriebene Egoisten“ (Frank Rottenbacher, Bundesverband Finanzdienstleistung), die künftig an die Provisionen der Anbieter „gekettet“ (Hans-Georg Jenssen, Verband Deutscher Versicherungsmakler) werden müssten, sagten die Branchenvertreter. Zudem bedeute die geplante Regelung einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Gewerbefreiheit, der die Existenz vieler Makler bedrohe und vor Gericht kaum Bestand haben werde. Mit der Trennung wäre ein Hauptwunsch der Verbraucherschützer erfüllt worden, die zugleich zu den schärfsten Kritikern von Mischmodellen gehören. Sie argumentierten, dass die „Rosinenpickerei“ der Makler nun ein Ende haben müsse. Wenige Tage vor der Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag setzten sich die Argumente der Maklervertreter durch. Mischmodelle sind weiterhin möglich.
Eine Stärkung der Honorarberatung bleibt erklärtes Ziel der Politik. Mit Ausnahme der FDP und der AfD unterstreichen alle größeren Parteien dies mit entsprechenden Aussagen in ihren Wahlprogrammen. Die Eiopa sähe die Provisionsvermittlung in Deutschland am liebsten sogar vollständig abgeschafft. Das Geschäftsmodell der Courtagevermittler bleibt unter strenger Beobachtung. Ihre allgemeine Wettbewerbssituation hat sich nicht verbessert. Als Produktgeber sind die Versicherer künftig dafür verantwortlich, dass ihre Provisionsmodelle Fehlanreize für Vermittler ausschließen. In den Unternehmen werden insbesondere die mit Vermittlern getroffenen Sondervereinbarungen einer kritischen Prüfung unterzogen. Die…