Erschienen in Ausgabe 8-2017Schlaglicht

Europa sucht Schulterschluss mit China

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

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Europa sucht Schulterschluss mit China

China forciert die Beziehungen zur Europäischen Union und sieht sich als Nutznießer der Abkühlung der transatlantischen Beziehungen unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump. Vor allem seit der Aufkündigung des Pariser Klimaschutzabkommens durch die USA rückt der Ferne Osten verstärkt in den Brüsseler Fokus. Das Reich der Mitte ist der zweitgrößte Handelspartner der EU. Europa wiederum ist heute der wichtigste Markt für ausländische Direktinvestitionen chinesischer Unternehmen.
Auch die europäische Assekuranz rückt als Transportversicherer gigantischer Handelsvolumina und Investor für die großen Infrastrukturprojekte Chinas in den Blickpunkt. Allem voran soll die Entwicklung einer „neuen Seidenstraße“, die unter dem Label „One Belt, One Road 2013 gestartet wurde, Investoren aus aller Welt anlocken. Das Projekt soll mit einer neuen transkontinentalen Schienenverbindung und dem Ausbau der Wasserstraßen von Schanghai bis Duisburg, chinesischen Waren den Zugang bis tief in den europäischen Kontinent eröffnen. Die Versicherungswirtschaft als größter institutioneller Investor Europas wird dabei von China insbesondere als Global Player umworben.
Internationale Handelspolitik indes ist Sache der Europäischen Kommission. Diese sucht derweil den engen Schulterschluss mit China. Angesichts von „trumpigen Zeiten“, wie Martin Selmayr, Kabinettschef von EU-­Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die sich verändernde Weltpolitik beschreibt, gelte es, die Beziehungen zu China zu vertiefen. Das Ziel ist der Abschluss eines umfassenden Investitionsabkommens, über das bereits seit rund zwei Jahren verhandelt wird.
Durch ein solches Abkommen könnten gleiche Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen und neue Marktchancen für beide Seiten geschaffen werden. Beim jüngsten EU-China-Gipfeltreffen Ende Juni in Brüssel wurden hochfliegende Erwartungen zunächst jedoch einmal gedämpft. Der chinesische Präsident Xi Jinping hatte sich von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk erhofft, dass die EU der Volksrepublik China mit dazu verhilft, gegenüber der Welthandelsorganisation (WTO) den Marktwirtschaftstatus zu erhalten. Brüssel jedoch meldete wegen anhängigen Verfahren von unlauterem Wettbewerb sowie der Verletzung von Antidumping- und Antisubventionsvorschriften in der Stahl- und Textilindustrie Vorbehalte an. Andererseits hatte die EU gehofft, dass China in einer gemeinsamen Abschlusserklärung ausdrücklich die…