Erschienen in Ausgabe 8-2017Trends & Innovationen

Schaden-Prisma Juli 2017

G20-Krawalle versetzen Hamburg in „kriegsähnlichen Zustand“. Der Schaden beläuft sich auf 12 Mio. Euro.

Von Dominic EggerVersicherungswirtschaft

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Während sich die Oberhäupter der 20 führenden Industrienationen über Weltpolitik die Köpfe heiß redeten, plünderte und brandschatzte ein Teil der Demonstranten durch Hamburg. Der „kriminelle Mob“, wie es der regierende Bürgermeister Olaf Scholz ausdrückte, setzte ganze Straßenzüge in Brand.
Auf bis zu 12 Mio. Euro schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die versicherten Schäden des G20-Wochenendes Anfang Juli, inklusive Schäden an Wohngebäuden und Gewerbeimmobilien sowie an Pkws. Über mehrere Stunden wüteten die Randalierer wie hier im Schanzenviertel ungehindert, schließlich verfügte die Polizei – trotz aus allen Bundesländern aufgestockter Ressourcen – über zu wenig einsatzfähige Beamte, um der Lage Herr zu werden.
Anwohner sprachen von „kriegsähnlichen Zuständen“: Am Straßenrand geparkte Pkws setzten die Randalierer mit Feuerwerkskörpern in Brand, traurige Berühmtheit erlangte zudem eine Filiale der lokalen Drogeriemarktkette Budnikowsky. Deren Scheiben einzuwerfen, genügte der Menge nicht, sie plünderte zudem die Regale. Andernorts, wo Ordnungshüter auf Demonstranten trafen, wurden 467 Beamte verletzt, meldet die Polizei Hamburg – dies allerdings über den gesamten Einsatzzeitraum von 22. Juni bis 10. Juli.

Ungleich verteilter Schaden

Einen größeren Schadenanteil müssen Hamburger Feuerkasse und die Provinzial Nord Brandkasse tragen: „Wir gehen mittlerweile von einer Schadenhöhe zwischen 1,2 und 1,5 Mio. Euro und 50 bis 60 versicherten Schäden für die Hamburger Feuerkasse und die Provinzial Nord Brandkasse aus“, äußerte sich das Unternehmen gegenüber dieser Redaktion. Fast ausschließlich handele es sich dabei um Schäden an Wohngebäuden, rund 40 dieser Schäden müsse die Hamburger Feuerkasse regulieren.
Ein Drittel der Schadensumme machen zerstörte Pkws aus: Marktführer Huk Coburg meldet bis dato jedoch nur zwölf Totalschäden durch Feuer und 19 andere Beschädigungen wie „eingeschlagene Scheiben oder eingedrückte Karosserieteile“.
Unversicherte Schäden begleicht ein von der Stadt Hamburg eingerichteter Härtefallfonds von 40 Mio. Euro. Dass sich der Bund daran beteiligen würde, hatte Angela Merkel bereits zum Abschluss des Gipfels angekündigt. Insgesamt kostete der G20-Gipfel Bund und Länder rund 130 Mio. Euro.

Waldbrände halten Kanada in Atem

46.000 Einwohner von der Provinz Britisch-Kolumbien mussten aufgrund der starken Waldbrände Anfang Juli ihre Häuser ­verlassen. An bis zu 240 Orten gleichzeitig brannten die Feuer, melden die Behörden. Mindestens 11.500 Hektar Land wurden vernichtet. In Cache Creek und Umgebung fielen ein Trailerpark mit 30 ­Wohnwägen und zwei Flugzeughangars den Flammen zum Opfer, berichtet Aon Benfield. Die Regionalregierung kündigte an, den Wiederaufbau nach Ende der Brände mit rund 78 Mio. US-Dollar unterstützen zu wollen.

Busunglück in Nordbayern

Auf der A9 südlich von Münchberg in Oberfranken ereignete sich Anfang Juli ein verheerender Unfall: Nach Aufprall auf einen Sattelzug brannte ein Reisebus aus dem sächsischen Löbau völlig aus. Das Feuer entstand wohl durch den Aufprall, mutmaßen die Sachverständigen. Dass der ganze Bus so schnell in Flammen stand, schreibt Siegfried Brockmann, Leiter Unfall­forschung der Versicherer, den leicht entzündbaren Innenraummaterialien von Bussen zu. 18 von 48 Insassen kamen dabei ums Leben, weitere 30 Personen wurden verletzt, teils schwer, berichtet Spiegel Online.

Milliardenschäden in China

Bereits im zweiten Monat leidet die Volksrepublik unter der Regenfront Mei-Yu. Allein für Changsha, wo Starkregen den Jangtse in der ersten Juli-Woche über die Ufer treten ließ, meldet die chinesische Regierung ökonomische Schäden von rund 4 Mrd. US-Dollar. Mitte Juli wüteten die Gewitterstürme besonders in der nordöstlichen Provinz Jilin: 19 Personen starben, rund 57.000 Häuser wurden in der Region beschädigt, 110.000 Menschen mussten evakuiert werden. Zudem vernichtete Mei-Yu in der Region rund 17.800 Hektar Ackerfläche. Der ökonomische Schaden einer Woche: 3,3 Mrd. US-Dollar.

Beben macht Urlauber obdachlos

Unfreiwillig verbrachten Touristen auf der griechischen Insel Kos die Nacht in Liegestühlen am Strand. Zu groß schien die Einsturzgefahr ihrer Hotels nach einem Seebeben, bei dem zwei Urlauber starben. Von ihren 6.400 Kunden auf Kos habe keiner unter freiem Himmel schlafen müssen, meldet die Tui. Nur einzelne seien leicht verletzt worden. Thomas Cook musste einige Urlauber umquartieren, da das Hotel Continental Palace zu sehr beschädigt war. Jene wenigen, die keinen Raum mehr fanden, flog der Reiseveranstalter zurück nach Deutschland.de/vw