Erschienen in Ausgabe 8-2017Märkte & Vertrieb

Deutsche Rentenversicherung in Erklärungsnot

Systemvergleich mit Österreich offenbart gravierende Unterschiede bei der monatlichen Bruttorente

Von Manfred BrüssVersicherungswirtschaft

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In den Medien wird das Rentensystem in Österreich öfters als vorbildlich dargestellt und nachahmenswert gepriesen. Ob sich Deutschland eine Scheibe von der „Pensionsversicherung“ der Alpenrepublik abschneiden sollte, hat die Deutsche Rentenversicherung Bund in einem groben Systemvergleich auf der Basis von 14 Zahlungen untersucht. Das schockierende Ergebnis: mit durchschnittlich 1.436 Euro liegt die monatliche Bruttorente in Österreich um 58 Prozent über dem deutschen Niveau von durchschnittlich 909 Euro. Blieben beide Sonderzahlungen unberücksichtigt, wäre die Durchschnittsrente mit brutto 1.231 Euro immer noch um 35 Prozent höher.
Es gibt aber noch eine ganze Reihe von anderen Faktoren als der Vergleich der reinen Zahlbeträge, die man in den Blick nehmen muss, wie die Fachreferenten Birgit Alshut-Mann und Reinhold Thiede auf dem Pressefachseminar in Berlin ausführten. So muss man die Beitragsätze ebenso in den Blick nehmen, wie die Anspruchsvoraussetzungen für einen Rentenbezug, die Basis der in das Rentensystem einbezogenen Erwerbstätigen und die Besteuerung der Renten.
Mitentscheidend für die Leistungsfähigkeit des Rentensystems sind zunächst einmal die Beitragseinnahmen. Die Abgabequote liegt im Nachbarland mit 22,80 Prozent um 4,1 Prozentpunkte über dem deutschen Beitragssatz (18,7 Prozent). Eine weitere Besonderheit ist, dass der Arbeitgeberanteil 12,55 Prozent beträgt und der Arbeitnehmeranteil bei 10,25 Prozent liegt. In Deutschland gilt die paritätische Finanzierung mit jeweils 9,35 Prozent.

Rentenbeitrag deutlich höher, alle zahlen ein

Dank der guten wirtschaftlichen Entwicklung und der damit verbundenen höheren Erwerbstätigkeit wird der Beitragssatz in Deutschland bis 2021 bei 18,7 stabil bleiben und würde dann im Jahr 2022 nur auf 18,8 Prozent angehoben werden müssen. Nach den Faustregeln der deutschen Rentenversicherung spült eine Beitragsanhebung um einen vollen Prozentpunkt etwa 14 Milliarden Euro in die Kasse. Und mithilfe eines halben Beitragspunktes kann man das Rentenniveau von derzeit 48,2 Prozent um einen Prozentpunkt anheben. Rein rechnerisch würde die Anhebung des deutschen Beitragssatzes auf das österreichische Niveau das Rentenniveau um gut acht Prozentpunkte auf 56,2 Prozent anheben.
Allerdings muss man auch die gesamte Sozialabgabenquote in den Blick nehmen. In der Krankenversicherung liegt der Beitragssatz in Österreich aufgrund staatlicher Zuschüsse bei nur 7,7 Prozent gegenüber rund 15,6 Prozent in Deutschland. Und ein wirkliches…