Erschienen in Ausgabe 8-2017Märkte & Vertrieb

Versicherer entdecken „Neuland“

Cyberpolicen auf dem Weg zum Wachstumsmotor für eine ganze Branche

Von Dr. Nikolai DördrechterVersicherungswirtschaft

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Alarmstufe Rot – Cyberangriffe werden heftiger und häufiger. Selbst die Regierung appelliert angesichts der Cyber-Gefahrenlage an die gesellschaftliche Verantwortung der Wirtschaft: Wirtschaftsbetriebe hätten Sorge dafür zu tragen, dass sie nicht missbraucht und zum Instrument feindlicher Angriffe auf das Gemeinwohl werden, führt das Innenministerium von Thomas de Maizière in einer aktuellen Erklärung aus. Die jüngsten Angriffe von „WannaCry“ und „Petya“ zeigen die Dringlichkeit auf und verdeutlichen, dass Unternehmen Nachholbedarf beim Schutz ihrer IT-Landschaft haben. Gefragt sind umfassende Konzepte. Ideen dafür gibt es. Doch die Versicherungsbranche befindet sich aktuell noch im Beobachtermodus.

Politik macht Wirtschaftsschutz zur Chefsache

Geht es nach den Prognosen von KPMG, soll die Versicherungsbranche in nicht einmal 20 Jahren jährlich allein in Deutschland mehr als 15 Mrd. Euro mit Cyber-Policen umsetzen. Zum Vergleich: genauso viel machten 2016 die Prämien der Kfz-Haftpflicht aus. Aktuell schreiben 130 Versicherer um die sechs Mrd. Euro Prämie jährlich für die gesamte Gewerbeversicherung. Schon jetzt sieht der Branchenverband Bitkom den volkswirtschaftlichen Schaden bei weit mehr als 50 Mrd. Euro – pro Jahr. Kurzum: Neue digitale Risiken wie Cyber sind ein sehr vielversprechendes Geschäftsfeld.
IT-Forensiker wie Kaspersky gehen davon aus, dass jeden Tag mehr als 20.000 neue Schadsoftwareprogramme verbreitet werden. Neben dem Imageschaden, den zum Beispiel verlorene Daten mit sich bringen, drohen den Unternehmen existenzielle Kosten. Werden massenhaft Kundendaten entwendet, kalkuliert man mittlerweile im Durchschnitt mit hohen sechsstelligen Schäden. Bei Großunternehmen geht der Schaden schnell in die Millionen. Die Politik sieht die Resilienz des Wirtschaftsstandortes bedroht: es geht um künftige Gewinne und damit auch um die Sicherheit von Arbeitsplätzen. Das Innenministerium hat jüngst Alarm geschlagen und Wirtschaftsschutz zur Chefsache erklärt. Mittlerweile haben selbst kleinere und mittlere Unternehmen erkannt, dass größte Unternehmensschätze durch Schlupflöcher in der Datenleitung und Schwachstellen in der IT gefährdet sind. Laut einer aktuellen Studie der Gothaer sehen mittlerweile mehr als ein Drittel der befragten Unternehmer in der Cyberkriminalität das größte Risiko für die Geschäftstätigkeit. InsurTech-Experte Matthias Lange vom Company-Builder Finleap konstatiert in weiten Teilen der Unternehmen aber eine gewisse Tatenlosigkeit.