Erschienen in Ausgabe 8-2017Schlaglicht

Ein Kontinent im Krisenmodus

Lateinamerika leidet unter stagnierendem Versicherungsgeschäft – Branchenprimus Brasilprev glänzt trotzdem

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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Der neue Platzhirsch auf dem lateinamerikanischen Versicherungsmarkt heißt BrasilPrev. Die über Jahre unangefochtene Bradesco aus Brasilien wurde im vergangenen Geschäftsjahr von der BrasilPrev auf dem zweiten Rang verdrängt. Das zeigt die aktuelle Studie der Fundación Mapfre zu den 25 führenden Versicherungsunternehmen Lateinamerikas. Es war ein Stabwechsel mit Ansage, denn die ebenfalls aus Brasilien stammende BrasilPrev wächst bereits seit Jahren rasant über dem Marktdurchschnitt. Der verbleibende Podestplatz gehört der Mapfre aus Spanien, sie verteidigt den dritten Rang im Gesamtklassement trotz Prämieneinbußen gegenüber dem Vorjahr. Allgemein ist eine verstärkte Konzentrationsbewegung zu beobachten.
Die Veränderungen im Klassement vollziehen sich vor dem Hintergrund eines stagnierenden Versicherungsmarktes. Das aggregierte Prämienvolumen des lateinamerikanischen Marktes ist der Mapfre-Studie zufolge um 3,7 Prozent auf 145,2 Mrd. US-Dollar zurückgegangen. Eine der zentralen Ursachen für den Rückgang des Geschäftsvolumens ist die Abwertung der meisten regionalen Währungen gegenüber dem US-Dollar, da sich die Geldpolitik der USA normalisiert. Die daraus resultierende Umleitung internationaler Geldströme bremst auch die Realwirtschaft entscheidend. Nach der jüngsten Sigma-Studie der Swiss Re zur globalen Assekuranz ist die Wirtschaftsleistung des Kontinents um ein Prozent geschrumpft. Besonders die mit Abstand wichtigste Volkswirtschaft Brasilien steckt in einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen seit Langem. Das Bruttoinlandsprodukt hat 2016 um 3,6 Prozent verloren, nachdem bereits im Vorjahr ein Rückgang von 3,8 Prozent zu Buche stand. Besser entwickelt sich derzeit die Wirtschaft im zweitwichtigsten Versicherungsmarkt Mexiko oder in Kolumbien. Argentinien befindet sich derweil analog zu Brasilien im Krisenmodus.

Allfinanzbündnis erobert den Markt

Die Lebensversicherung konnte in Lateinamerika der Mapfre-Studie zufolge trotz der schwachen Wirtschaftsentwicklung mit einem Zuwachs von 7,1 Prozent auf 66,5 Mrd. US-Dollar deutlich zulegen. Die Zuwachsrate liegt jedoch unter dem langfristigen Durchschnitt, der sich nach der Sigma-Studie bei 8,9 Prozent bewegt. Ein Großteil der regionalen Märkte hat in diesem Segment ein Wachstum erzielt. Von entscheidender Bedeutung ist die boomende Entwicklung im wichtigsten Lebensversicherungsmarkt Brasilien. Er liefert weiterhin zweistellige Steigerungsraten. Auch im zweitwichtigsten Markt Mexiko konnte die…