Erschienen in Ausgabe 8-2017Schlaglicht

„Ein Rückgang der internationalen Verbindungen steht nicht bevor“

Andreas Tesch, Chief Market Officer beim Kreditversicherer Atradius, über politische Brennpunkte im Welthandel

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Angesichts der zahlreichen globalen Krisenherde und politischen Umbrüche steht Deutschland trotz der enormen Exportabhängigkeit weiterhin gut da. Woran liegt das? Oder ist die angeblich komplexe Welt mit immer komplexeren Risiken nur aufgebauscht?

Christian Tesch: Deutschland erwirtschaftet rund ein Drittel seines Bruttoinlandsprodukts mit im Inland produzierten Exportgütern, ein sehr hoher Wert gemessen an der Größe der Volkswirtschaft. Zum Vergleich: Frankreich kommt nur auf einen Exportanteil von rund 20 Prozent. Von internationalen Krisen gehen durchaus Risiken für das Wachstum der Bundesrepublik aus. Zu nennen sind hier wirtschaftspolitische Spannungen mit den USA, der ungewisse Ausgang der Brexit-Verhandlungen und eine mögliche Abkühlung der Konjunktur in China. Deutsche Firmen müssen damit rechnen, dass diese Faktoren ihr Geschäft belasten. Gleichzeitig haben deutsche Unternehmen aber auch eine starke Exportbasis aufgrund ihres technologischen Wissens, ihrer Innovationsfähigkeit und ihres Geschäftssinns. Nicht umsonst rangierte Deutschland zuletzt beim Global Competitiveness Index des Weltwirtschaftsforums auf Platz fünf, auch in der heutigen, komplexeren Wirtschaftswelt wird es seine Position behaupten.

Antiglobalisierung und Protektionismus liegen scheinbar im Trend. Kann man die weltweit engen Handelsverbindungen überhaupt zurückdrehen?

Auch nach den jüngsten politischen Ereignissen steht kein genereller Rückgang der internationalen Handelsverbindungen bevor. Dem Ausstieg der USA aus der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) und dem Transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP), der angekündigten Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta) oder den protektionistischen Maßnahmen infolge der Finanzkrise 2008 stehen mehrere handelsfördernde Entwicklungen weltweit gegenüber. So wird das jüngst vereinbarte Abkommen zwischen der EU und Japan (Jefta) die Handelsintegration beschleunigen, ebenso das Inkrafttreten des Abkommens für Handelserleichterungen (TFA) der Welthandelsorganisation. Auch die verbliebenen TPP-Partner haben ihre Absicht bekräftigt, den gemeinsamen Handel weiter voranzutreiben. Die Wahlen in Frankreich und den Niederlanden haben zudem gezeigt, dass die antieuropäischen und protektionistischen Tendenzen in der Europäischen Union nicht so stark sind wie zwischenzeitlich befürchtet. Es gibt also auch einen starken Willen für freien Handel rund um den Globus.

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