Erschienen in Ausgabe 8-2017Unternehmen & Management

Debeka-Gruppe: Zinszusatzreserve drückt Lebensversicherer ins Minus – Krankenversicherer im Aufwind

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Die Debeka Lebensversicherungsverein a. G. hat im Gj. 2016 einen Jahresfehlbetrag von knapp 1,6 Mio. Euro erwirtschaftet. Im Vorjahr waren noch 30 Mio. Euro Überschuss ausgewiesen worden. Trotz der nach wie vor günstigen Kostensituation und der hohen Erträge aus Kapitalanlagen habe sich insbesondere aufgrund einer sehr hohen Zuführung zur Zinszusatzreserve (ZZR) ein geringer Rohverlust eingestellt, so der Geschäftsbericht 2016. Der Rohüberschuss rutschte um 301,1 Mio. Euro auf −1,7 Mio. Euro Verlust. Die Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung fiel aus; im Vorjahr waren dies 269,4 Mio. Euro gewesen. Auch für 2017 hält der Vorstand im Ausblick des Geschäftsberichts aufgrund des weiteren Aufbaus der ZZR einen erneuten „geringen Rohfehlbetrag“ für möglich. Ohne ZZR-Zuführung hätte der Rohüberschuss mit 1,048 (0,978) Mrd. Euro über dem Vorjahr gelegen. Diese Entwicklung habe den Erwartungen entsprochen, so der Vorstand im Geschäftsbericht. Das Solvenzkapital erreicht bei Anwendung der Übergangsmaßnahme und der Volatilitätsanpassung eine Bedeckungsquote von 322,8%; ohne diese ausdrücklich vorgesehenen Hilfsmittel sind es nur 72%. Als Ursache für die Unterdeckung ohne Hilfsmittel nennt der SFCR-Bericht den über dem Branchendurchschnitt liegenden Anteil von Verträgen mit hohen und langfristigen Garantien von 4%, 3,5% und 3,25%. Infolge „guter Beratung und Betreuung sowie hoher Überschussbeteiligungen“ seien die Storni „erheblich niedriger“ gewesen, als es in der Branche üblich ist; 2016 belief sich das Storno auf wiederum 1,9%. Damit sei ein Großteil dieser Verträge mit hohen langfristigen Garantien weiterhin im Bestand.
Zudem seien die erwirtschafteten Überschüsse nicht als Gewinnrücklagen im Unternehmen einbehalten, sondern zeitnah an die Versicherungsnehmer ausgeschüttet worden. „Diese mitgliederorientierte Vorgehensweise soll, soweit möglich, auch in Zukunft beibehalten werden und ist daher auch in den Rückstellungen unter Solvency II reflektiert“, so der SFCR-Bericht. Eine Abkehr von dieser Praxis hätte „deutlich positive Effekte auf die Bedeckungsquote“, wäre aber nicht im Sinne der Debeka-Mitglieder. Der Lebensversicherer will die Zeit der Übergangsregelung nutzen, um die Bedeckung der Solvabilitätskapitalanforderung stetig zu erhöhen. In der Vergangenheit sei sehr erfolgreich in Unternehmensanleihen mit guter und sehr guter Kreditqualität mit langen Laufzeiten investiert worden, für die nun aber hohe Risikokapitalanforderungen zu stellen…