Erschienen in Ausgabe 8-2017Unternehmen & Management

Zielbilder ohne große Umwege

Nach Solvency II droht den Versicherern mit dem Rechnungslegungsstandard IFRS 17 eine neue Kostenwelle

Von Hans Peter Hochradl und Michael KochVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Vor knapp drei Monaten hat das International Accounting Standards Board (IASB) den ersten „echten“ internationalen IFRS-Standard für Versicherungsverträge veröffentlicht. Erstanwendungstermin von IFRS 17 ist Januar 2021. Bis dahin ist also noch sehr viel Zeit. Doch der Schein trügt. Bei genauerer Betrachtung der Umsetzungsanforderungen wird schnell deutlich, dass ein Projektstart schon 2017 erforderlich ist, denn IFRS 17 hat umfangreiche Auswirkungen auf den Abschluss- und Finanzberichterstattungsprozess, auf Datenanforderungen und IT-Systeme sowie die Organisation.
Viele Versicherer denken deshalb über ein neues Target Operating Model (TOM) für Risk & Finance nach. Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Auswirkungen der neue Rechnungslegungsstandard auf die Planung und Unternehmenssteuerung hat. Nach Solvency II rollt mit IFRS 17 eine weitere Kostenwelle auf Versicherer zu. Besonders wichtig ist es nun, pragmatische Lösungen zu suchen und bereits getätigte Investitionen, beispielsweise in Solvency II, intelligent zu nutzen. Im Folgenden werden zwei Fragestellungen beleuchtet:

Umstellungen erfordern striktes Change Management

Da sich die Ausgangssituationen von Versicherer zu Versicherer teilweise deutlich unterscheiden, sind pauschale Aussagen zu Aufwandstreibern mit Vorsicht zu genießen. Dennoch wagen wir den Versuch, die aus unserer Erfahrung wichtigsten Themen darzustellen. Die folgenden Punkte sind besonders bedeutsam, da sie einen großen Einfluss auf die unternehmensindividuell passende Implementierungsstrategie sowie Roadmap und damit auf den Gesamtimplementierungsaufwand haben. Im Projektplanungsprozess müssen sie daher mit hoher Priorität bearbeitet werden:
Trotz der deutlich höheren Komplexität von IFRS 17 im Vergleich zu IFRS 4 ist nicht zu erwarten, dass Analysten und Investoren den Versicherern mehr Zeit für ihre Finanzberichterstattung zugestehen. Auch wenn im ersten Jahr der IFRS-17-Anwendung einige Versicherer spätere Veröffentlichungstermine diskutieren, bleibt dennoch der Druck, im Wettbewerb mit Unternehmen anderer Branchen bestehen zu können. Um die deutlich höhere Komplexität bei gleicher, oder sinkender Zeit ausgleichen zu können, sind signifikante Investitionen in Automatisierung, Standardisierung und Datenqualität erforderlich. Es besteht die Gefahr, dass die etablierten Solvency-II-Prozesse vielfach nicht oder nur teilweise geeignet sind, diesen Anforderungen gerecht zu werden.
Hiervon sind in besonderem Maße stochastische…