Erschienen in Ausgabe 8-2017Unternehmen & Management

Zerlegte Gewinne und finanzielle Erfolge

Wie eine ertragsorientierte Unternehmenssteuerung das Geschäft der Lebens- und Krankenversicherer krisenfest macht

Von Oliver Lang und Volker SchulzVersicherungswirtschaft

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Die Klagen der Versicherungsbranche über die Lasten der Niedrigzinsen sind vielstimmig und omnipräsent – und dies aus gutem Grund: Die Unmöglichkeit, im aktuellen Marktumfeld einen Kapitalertrag oberhalb der eingegangenen Garantieverpflichtungen zu erwirtschaften, gefährdet das klassische Geschäftsmodell von Lebens- und Krankenversicherungsunternehmen (LVU/KVU). Das Niedrigzinsumfeld verführt aber auch zu Fehlinterpretationen. Zum einen verdampft der langjährige Zinssenkungstrend zwar die Renditechancen bei der Neuanlage in Zinsträger, lässt andererseits aber auch die Bewertungsreserven fortwährend steigen. Dies lädt dazu ein, durch die Realisierung dieser scheinbar nachwachsenden Reserven nicht nur – legitimerweise - die Zinszusatzreserve zu dotieren, sondern vorübergehend auch andere Löcher zu stopfen und ineffiziente Strukturen „durchzufüttern“1.

Gläubigerschutz vorrangiger Rechnungslegungszweck

Zum anderen herrscht vielerorts das Meinungsbild vor, das aktuelle Zinsniveau sei im Wesentlichen nicht die logische Folge fundamentaler ökonomischer Entwicklungen, sondern beklagenswerter politischer Eingriffe, und werde sich daher ändern, sobald in absehbarer Zeit die Geldpolitik wieder zur Vernunft komme. Beide Interpretationen halten davon ab, rechtzeitig grundlegende Weichenstellungen zur Steigerung der Effizienz und Ertragskraft auf den Weg zu bringen, und beide könnten sich als Trugschluss erweisen.
In der Privaten Krankenversicherung kommt ein weiteres Risiko hinzu: Durch die historisch niedrigen Renditen ist auch der Aktuarielle Unternehmenszins (AUZ) im Sinkflug, wobei die Unternehmen nach wie vor den Rechnungszins erst dann anpassen können, wenn für eine Tarifeinheit der Auslösende Faktor für die Aufwendungen für Leistungsfälle anspringt. Das kann dauern. Zusätzlich notwendig ist, dass auch der Unabhängige Treuhänder eine Beitragsanpassung für erforderlich hält. Die Unternehmen benötigen jedoch dauerhaft einen Überzins, um die systematisch höhere Inflationsrate im Gesundheitswesen mit Kapitalerträgen abzufedern und für die Kunden erträglich zu halten.
Der Handlungsspielraum der deutschen LVU/KVU ist dabei begrenzt; denn sie agieren in einem komplexen dreidimensionalen Regulierungsrahmen (vgl. Abb. 1). Die erste Dimension ist die externe Rechnungslegung nach HGB. Die handelsrechtlichen Vorschriften für Bilanz und Gewinn- sowie Verlustrechnung (GuV) sind vorrangig auf die Bedürfnisse der Gläubiger zugeschnitten. Gläubigerschutz ist vorrangiger…