Erschienen in Ausgabe 8-2017Unternehmen & Management

Bis der Knoten platzt

Mediationstechniken in der Industrieschadenregulierung

Von Ulrich KremerVersicherungswirtschaft

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Mediationsverfahren werden in Deutschland zur Konfliktbeilegung in Versicherungsfällen (noch) selten angewandt. Vielen Akteuren ist das Wesen der Mediation nicht ausreichend vertraut, eine ausgeprägte Mediationsinfrastruktur, die Mediationsverfahren durch leichten Zugang nahelegt, fehlt bislang.
Förmliche Mediation durch einen Vertreter einer am Versicherungsfall beteiligten Partei dürfte, bei allem aufrichtigem Bemühen, kaum je den Verdacht der fehlenden Interessenneutralität überwinden. Wie aber verhält es sich mit dem quasi stillschweigenden Einsatz von Mediationstechniken am Verhandlungstisch außerhalb eines förmlichen Mediationsverfahrens? Mediation ist ein Verfahren zur parteienbestimmten Bewältigung zwei- oder mehrseitiger Konflikte. Anders als bei Gerichts-, Schiedsgerichts-, Schlichtungs- und ähnlichen Verfahren bestimmen ausschließlich die Parteien den Ausgang. Wesentlich für die Konfliktlösung durch Mediation ist die Erforschung und Berücksichtigung von Interessen und diesen zugrunde liegenden Bedürfnissen. Und die Tätigkeit des Mediators selbst? Er hat die Aufgabe, anzuleiten und das Verfahren zu strukturieren.

Beteiligung des Maklers am Konflikt als Quasi-Partei

Bei der Wirtschaftsmediation handelt es sich um eine Mediation im Kontext komplexer wirtschaftlicher Zusammenhänge. Sie kann sowohl innerbetrieblich als auch zwischen Geschäftspartnern oder zwischen Unternehmen und Behörde durchgeführt werden. Auch diese Konflikte sind oft nicht auf den finanziellen Aspekt beschränkt. Häufig stehen Faktoren wie die Zukunft einer Geschäftsbeziehung, Reputation eines Unternehmens, Auswirkungen auf geschäftsrelevante Dritte, soziale Komponenten marktwirtschaftlichen Verhaltens, Fairness, emotionale Befriedung, aber auch Zeitaufwand und Sicherheitsbedürfnis im Raum. All dem kann das Mediationsverfahren Rechnung tragen.
Im Massengeschäft der Privatkundenversicherung mit formalisierten Schadenregulierungsverfahren hat Mediation üblicherweise keinen Platz. Im industriellen und gewerblichen Bereich ist das anders, da Komplexität, Schadenhöhe oder das Interesse am Fortbestand eines Versicherungsverhältnisses individuelle Lösungen fordern. Ein Konflikt kann entstehen im (Deckungs-)Verhältnis zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer (z.B. Sachversicherung), oder etwa hinsichtlich der Haftung sowohl zwischen Versicherer und Dritten, Versicherungsnehmer und Dritten, eventuell sogar unter allen Beteiligten (Haftpflichtversicherung). Denkbar ist darüber hinaus…