Erschienen in Ausgabe 8-2017Märkte & Vertrieb

Wie vom Erdboden verschluckt

Mysteriöses Verschwinden des ehemaligen Anbang-Chefs Wu Xiaohui wirft kritische Fragen auf

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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Nachdem Wu Xiaohui, Chef von Anbang Insurance, Anfang Juni wegen Korruption festgenommen wurde, gibt es in der chinesischen Öffentlichkeit praktisch keinerlei gesicherte Informationen mehr über sein Schicksal. Es sieht nicht so aus, als ob der Top-Manager schnell rehabilitiert werden könne. Im Vergleich mit einem anderen Tycoon, dem Chef des mächtigen Schanghaier Investmentunternehmens Fosun, Guo Guangchang, der ebenfalls Anfang des Jahres für ein paar Tage von der Bildfläche verschwand, später jedoch wieder auftauchte, sitzt Wu nun länger in Untersuchungshaft. Anbang teilte offiziell mit, Wu sei nicht mehr in der Lage, seinen mit der Führung des Unternehmens verbundenen Pflichten nachzukommen. Im Fall von Guo Guangchang hatte es eine derartige Mitteilung nicht gegeben.
Doch was war genau vorgefallen? Um diese Frage beantworten zu können, muss man die Großwetterlage in China verstehen. Seit Anfang dieses Jahres hat die Regierung die „Finanzsicherheit“ des Landes und deren Bedeutung zum ersten Mal zentral hervorgehoben. Hintergrund ist der drastische Kursabsturz von teils mehr als 40 Prozent an den chinesischen Börsen 2015 und 2016, als dessen Ursache die Regierung organisierte Manipulationen in großem Umfang vermutet. Dazu gibt es verschiedene Theorien, in denen sich Wu mit gewissen Interessengruppen verbandelt haben soll, um durch Manipulation der Aktienkurse die Antikorruptionskampage der Partei zu sabotieren. Auch die extravagante Verwendung des Geldes aus den Versicherungsbeiträgen für Investitionen im Ausland soll der Regierung nicht gefallen haben. Die Anbang prahlte gern mit der Übernahme von Banken und Versicherern in Europa sowie den USA und sorgte nicht zuletzt für großes Aufsehen beim Kauf des Luxushotels Waldorf Astoria in New York. Bereits vor der Festnahme von Wu hat die Aufsichtsbehörde der Anbang für drei Monate verboten, neue Produkte auf den Markt zu bringen.
Die Frage, woher und wie die Anbang so viel Geldmittel requirieren konnte, hat seit jeher größtes Interesse in den chinesischen Medien erweckt. Die Anbang hat eine extrem komplizierte und verflochtene Anteilsinhaberstruktur, die keiner je so richtig durchschauen konnte. Nach Berichten von China Daily sind Wus Ehefrau, die Enkelin von Chinas einst mächtigstem Manns, Deng Xiaoping, und seine Verwandten durch Beteiligungen an verschiedenen Beteiligungsgesellschaften große Aktionäre der Anbang. Zudem soll Wu von vielen seiner Bekannten massiv Geld gesammelt haben, das in die Kasse von…