Erschienen in Ausgabe 8-2017Märkte & Vertrieb

Alte Lasten und neue Zugeständnisse

Italienische Versicherer drängen auf zügige Rekapitalisierung schwächelnder Banken

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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Mit einer Innovationsoffensive und neuen Technologien will die italienische Versicherungsbranche in die Zukunft starten. Das war der Tenor bei der Jahrestagung des Dachverbandes der Versicherungswirtschaft Ania in Rom. Verbandspräsidentin Maria Bianca Farina wies darauf hin, dass die Italiener im europäischen Vergleich quer durch alle Sparten unterversichert seien. Besonders in den sozialen Sicherungssystemen des Landes bestehe ein erheblicher Nachholbedarf.
Farina regte einen staatlich-privaten Pakt an, um in den Bereichen Gesundheit, Daseinsvorsorge und Naturkatastrophen zu neuen Lösungen zu kommen. Erdbeben, Erdrutsche und – wie im Moment – verheerende Waldbrände vernichten Jahr für Jahr die Existenzgrundlage von Tausenden Menschen auf dem Stiefel. Die Hilfsmaßnahmen des Staates erweisen sich dabei häufig als unzureichend und voller bürokratischer Hemmnisse. Ein Zustand, den die Versicherungswirtschaft schon lange beklagt, durch unverhältnismäßig hohe Prämien aber selbst mitbefördert hat. Die Gesamtprämieneinnahmen der Branche beliefen sich im Jahr 2016 auf 134 Mrd. Euro, das sind rund sechs Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts. Die Zahl zeigt, dass die Versicherer ziemlich unbeschadet aus der langanhaltenden Rezession hervorgegangen sind. Eine Feststellung, die auf die Banken leider nicht zutrifft.

Rom hält sich nicht an EU-Regeln

So mussten im Juli erneut zwei Finanzinstitute, die in eine irreparable Schieflage geraten waren, abgewickelt werden: Den beiden Häusern Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza wurde von der Europäischen Zentralbank die Lizenz entzogen, da sie nicht mehr über die notwendige vorgeschriebene Kapitaldecke verfügten. Beide Banken und ihre Filialnetze wurden im Rahmen einer Auffanglösung in die (nach Unicredit) zweitgrößte, aber am besten kapitalisierte italienische Bank, die Turiner Intesa Sanpaolo, integriert. Diese will nun 600 von insgesamt 960 Filialen der beiden untergegangenen Banken schließen und 3.900 Stellen abbauen. Bezahlt hat Intesa Sanpaolo für die beiden gescheiterten Banken gerade mal einen Euro. Alle Risiken im Zusammenhang mit der Übernahme hat der italienische Staat übernommen. Diese Art der Bankenrettung dürfte Finanzminister Pier Carlo Padoan mit bis zu 17 Mrd. Euro teuer zu stehen kommen. 5,2 Mrd. Euro gehen direkt an die Käuferin Intesa Sanpaolo: Für die Kosten im Zusammenhang mit der Übernahme, und um die Kapitalposition der Käuferin nicht zu schwächen. Mit bis zu zwölf Mrd. Euro will der…