Erschienen in Ausgabe 8-2017Märkte & Vertrieb

Lotterie mit dem Risiko

Tontinenversicherung als Alternative zur Abdeckung von Langlebigkeitsrisiken

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Dass die seit Beginn des 20. Jahrhunderts geächtete Tontine als alternative Möglichkeit der Abdeckung der Bevölkerungslanglebigkeit zumindest eine Revaluierung verdiene, berichtete zuletzt der Economist. Diese Art der Rentenversicherung mit glücksspielartigen Elementen, habe den Vorteil, als eine Art der Gegenseitigkeitsversicherung, keinerlei von einem Dritten zur Verfügung zu stellendes Eigenkapital zu benötigen – anders als die derzeit übliche Pensionsversicherung. Dementsprechend könne eine Tontine auch wesentlich günstiger sein. Erfunden wurde sie um 1653 von Lorenzo di Tonti, einem im französischen Exil lebenden italienischen Banker. Typischerweise sieht eine Tontine mehrere sukzessive Auszahlungsrunden hinsichtlich der von den in etwa gleichaltrigen Mitgliedern eingezahlten Kapitalien vor, was sie der Rentenversicherung vergleichbarer macht als der Lebensversicherung.
Bezüglich der periodischen Auszahlungen partizipieren jeweils lediglich die noch Überlebenden. Aus dieser Spielregel meinte man früher einen Anreiz zur gegenseitigen Ermordung ableiten zu können. Umgekehrt wurden häufig auch eingetretene Todesfälle von den Angehörigen nicht gemeldet, die noch einmal für den Verblichenen an der nächsten Verteilungsrunde partiziperen wollten. In manchen Fällen sollen Eltern Tontinen auf ihre seinerzeit noch allzu sterblichen Kinder abgeschlossen haben. Verstarb das versicherte Kind, so hätten sie dem nächsten geborenen Kind einfach denselben Vornamen gegeben und dessen Identität mit dem versicherten, aber verstorbenen Kind, behauptet. Dies waren wohl die Hauptgründe für das Verbot dieser Form der mutualisierenden Rentenversicherung.
Befürworter einer neuen Form der Lebensversicherung vertreten die Ansicht, die moderne Informationstechnologie vermöge es, die Identität der anderen Tontinen-Mitglieder zu verschleiern. Ohne Weiteres könne von jedem angeblich noch Überlebenden ein periodischer Lebensnachweis eingefordert werden. Die implizite Mutualisierung des Langlebigkeitsrisikos ermögliche es dem Veranstalter eine moderne Tontine ohne zuzurechnendes verzinsliches Eigenkapital, also wesentlich günstiger zu betreiben. In früheren Jahrhunderten wurden Tontinen meist staatlicherseits organisiert, ihr eigentlicher Zweck war die Aufbringung von Mitteln für staatliche Infrastrukturprojekte.

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