Erschienen in Ausgabe 8-2017Märkte & Vertrieb

Heilkunst per Mausklick

Das digitale Erfolgsgeheimnis des estnischen Gesundheitswesens

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

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Der baltische Staat Estland gilt als europäischer Vorreiter in Sachen Digitalisierung des Gesundheitswesens. Während seiner sechsmonatigen EU-Ratspräsidentschaft bis Ende 2017 will Tallinn die „Digital Health Society“ europaweit auf den Weg bringen. Seit Juli hat das 1,5 Millionen Einwohner zählende Land die halbjährige Ratspräsidentschaft in der Europäischen Union unter das Motto „Digitale Präsidentschaft“ gestellt. Die ehemalige Sowjetrepublik hat seit ihrer Unabhängigkeit im Jahre 1991 die Zivilgesellschaft konsequent auf Digitalisierungkurs gebracht. Früher als viele andere EU-Mitgliedstaaten hat Estland die öffentliche Verwaltung digitalisiert – die Wahlen finden per Mausklick statt. Im Gesundheitswesen sind die digitale Patientenakte und ein vernetztes Krankenwagensystem seit Jahren eingeführt.
Zu den erfolgreich umgesetzten Projekten gehört ebenso die Einführung des digitalen Rezepts. Esten können heute in jeder Apotheke des Landes mithilfe ihres Ausweises ein ärztlich verschriebenes Medikament abholen oder sich von einer autorisierten Person nach Hause bringen lassen. Schon 15 Monate nach der Systemeinführung wurden 85 Prozent der Rezepte digital ausgestellt. Die technische Entwicklung des Systems durch das estnische IT-Unternehmen Helmes erbrachte nach nur drei Jahren Vorlaufzeit bei einem Budget von nur 300.000 Euro effiziente und kostensenkende Ergebnisse für Ärzte, Apotheken und Patienten. Rezepte auf Papier waren gestern.

Hausärzte an zentrales Terminsystem angeschlossen

Ein anderes vielversprechendes Beispiel ist der Aufbau einer elektronischen Datei zur Buchung von Facharztterminen für Patienten in Krankenhäusern. So sind alle estnischen Hausärzte an ein zentrales Terminbuchungssystem angeschlossen. Ein Softwarehouse ist gegenwärtig mit dem nächsten Schritt für Estlands E-Health World befasst: dem Wechsel von dokumentenbasierten Informationen auf datenbasierte Informationen. Damit sollen sich Daten, wie zum Beispiel Laborergebnisse, in Zukunft besser verarbeiten lassen. Während das Thema digitale Gesundheit auf europäischer Ebene bislang vorrangig unter regulatorischen Gesichtspunkten behandelt wurde, rückt jetzt das Thema Kostenerstattung in den Fokus. Eine angemessen rasche Erstattungspraxis bei der Inanspruchnahme von grenzüberschreitenden Gesundheitsdienstleistungen erfordert gemeinsame Standards von E-Health-Lösungen in der gesamten europäischen Staatengemeinschaft.
Haupthemmnisse stellen gegenwärtig die unterschiedliche Ausgestaltung der…