Erschienen in Ausgabe 7-2017Trends & Innovationen

29 Lebensversicherer müssen nachsitzen

Die Solvency-ll-Quoten beunruhigen die Bafin, eine Gesellschaft fällt komplett durch

Versicherungswirtschaft

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Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat die Ende Mai vorgelegten Kennzahlen der 350 Versicherer zum neuen Aufsichtsregime Solvency II ausgewertet. Demnach betrugen die Solvenzquoten der Konzerne und deren Tochtergesellschaften im Durchschnitt über alle Sparten hinweg rund 330 Prozent. Dennoch mussten 29 von 84 Lebensversicherern einen Maßnahmenplan vorlegen, da sie zum Stichtag 31. Dezember 2016 ohne Übergangsmaßnahmen keine Bedeckungsquote von 100 Prozent ausweisen konnten. Die Betroffenen müssen jährlich über ihre Fortschritte mit diesen Maßnahmen berichten.
Die Bafin nennt keine Namen, da aber die Kennzahlen öffentlich sind, kann man feststellen, dass es sich sowohl um kleinere als auch größere Marktteilnehmer wie die Debeka Leben handelt, die am klassischen Garantiegeschäft lange festhielten. Nach Aussagen der Bafin wendeten 56 Lebensversicherer die Volatilitätsanpassung, 60 die Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen und ein Lebensversicherer die Übergangsmaßnahme für risikofreie Zinssätze an. Ein Lebensversicherer habe aufgrund der zwischenzeitlichen Verschärfung im Niedrigzinsumfeld trotz der Anwendung von Übergangsmaßnahmen weder eine ausreichende Bedeckung des SCR (Solvency Capital Requirement) noch des MCR (Minimum Capital Requirement) gewährleisten können. Nachdem die Gesellschaft einen Sanierungsplan wie auch einen Finanzierungsplan vorlegte, „konnte das Unternehmen zeitnah wieder eine ausreichende Bedeckung gewährleisten“, teilte die Bafin mit. Die Rheinland Leben und die Süddeutsche Leben, die beide ohne Übergangsmaßnahmen Ende 2016 eine Solvenzquote von Null Prozent aufwiesen, waren nach eigenen Angaben nicht betroffen. Sowohl die Bafin als auch der GDV halten einen Unternehmensvergleich auf Basis der Bedeckungsquoten ohnehin für wenig aussagekräftig. „Sie sind eine Momentaufnahme“, betont Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund.vw