Erschienen in Ausgabe 7-2017Trends & Innovationen

Schadenprisma Juni 2017

Das Hochhaus-Inferno von London entzündet Diskussion um Dämmstoffe

Von Dominic EggerVersicherungswirtschaft

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Ein Kühlschrank verursachte den tödlichsten Brand in Großbritannien seit dem Zweiten Weltkrieg. Mindestens 79 der 400 bis 600 Bewohner starben Mitte Juni bei der Katastrophe im Londoner Stadtteil Kensington. Das Feuer brach gegen ein Uhr nachts im vierten Stock des Grenfell Towers aus und nährte sich an billigen Aluminium-Verbundplatten mit Polyethylen-Kern, erst voriges Jahr von der Baufirma Rydon als Dämmung montiert. Innerhalb von 30 Minuten breiteten sich die Flammen auf die 24 Stockwerke des Hochhauses aus. Etliche Bewohner versuchten dem Feuer durch Fenstersturz oder improvisiertes Abseilen zu entkommen. 24 Stunden brauchte die Feuerwehr, um den Brand unter Kontrolle zu bringen.
Der 100 Meter hohe Sozialbau mit 120 Wohnungen verfügte über nur eine Treppe und über keine Sprinkleranlage, letztere hätte den Großbrand verhindert. Auf die mangelhafte Dämmung, unzureichende Fluchtmöglichkeiten und fehlende Sprinkleranlage hatte die Grenfell Action Group, eine Bewohner-Organisation, in den vergangenen Jahren zwar öffentlich hingewiesen. Gehört wurden sie von der Hausverwaltung Kensington and Chelsea TMO (KCTMO) jedoch nicht.
Nicht nur deren Gebäude, sondern auch die Haftpflicht deckt der norwegische Versicherer Protector mit rund 28 Mio. Euro, das Gros zediert der Erstversicherer an Munich Re. Insgesamt könnte der versicherte Schaden zwischen rund 226 Mio. Euro und 1,13 Mrd. Euro liegen, berichtet die Londoner Times. Erst kürzlich war die Police – vermittelt von JLT Global – erneuert worden, zuvor trug Zurich Municipal das Risiko. Experten bezeichnen die anstehende Regulierung daher als „eine der komplexesten Auszahlungen“, meldet die Insurance Times.
Das Feuer entstand in einem Kühlschrank des Typs Hotpoint FF175BP, vertrieben von Whirlpool, einem US-amerikanischen Konzern. 64.000 baugleiche Modelle stellte deren norditalienische Tochter zwischen März 2006 und Juli 2009 her, berichtet CNN.
Die neue Minderheitsregierung von Premierministerin Theresa May sicherte den Opfern der Brandkatastrophe fünf Mio. Pfund (rund 5,7 Mio. Euro) als Soforthilfe zu. Die Hausverwaltung KCTMO rief zu Spenden auf. Fünf weitere Hochhäuser ließen die Behörden zudem evakuieren, da ihre Dämmung ebenfalls leicht entzündbar ist. 800 Haushalte sollen hiervon betroffen sein.

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